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führt fortwährend bergab an einem solchen Höhenzug hin, manchmal in grossen Windungen , wo es die Steigungsverhältnisse erheischen. Ein längerer Ritt auf einer harten Strasse, zumal bergab, gehört gewöhnlich nicht zu den unterhaltendsten Dingen, hier ist es aber anders, so schön sind immer die Ausblicke: die grauen Felsen, welche hervorschauen zwischen den mit Maulbeerbäumen und Wein bebauten Lehnen, dann wieder Felder in frischem Lenzesgrün, dunkle Pinienwälder, grosse und kleinere Ortschaften, zerstreute Häuser. In der Ferne auf bewaldetem Berge das Maro- nitenkloster Der el-Kalaa. Immer deutlicher erscheint Beirut, dahinter das blaue Meer, dessen Brandung an der Küste durch weisse Linien erkennbar ist. Es mehren sich die Landhäuser der Beiruter, welche im Sommer auf den luftigen Höhen Erholung suchen nach der Hitze der Stadt. In den Gärten wird gepflanzt und gearbeitet. Nun nähert sich die Strasse dem Thale des Nähr Beirut; man blickt hinab in die enge Felsschlucht, dann zurück in das gebirgige Land, welches ansteigend an die hohen Berge des Libanon anschliesst, dessen schneebedeckte Gipfel von dem Blau und Grün der Berge und Thäler abstechen. Wir erreichen die Ebene bei dem Grabe Franko Paschas, des zweiten christlichen Statthalters vom Libanon, und nun reitet man zwischen üppigen Gärten dahin. Alles blüht und duftet; Pelargonien in dunklem Roth leuchten hervor. Dicht stehen die Maulbeerbäume, unter denen Gemüse gezogen wird, während Palmen ihre schlanken AVipfel hoch über dieselben erheben. An einem Pinienwalde, dem Ausflugsorte der Beiruter vorbei, gelangt man zur Stadt. Breite Gassen mit Gasbeleuchtung; grosse Gebäude, Kasernen, Klöster, Kirchen, es ist kein recht orientalischer Charakter mehr, hier hat europäischer Einfluss die Poesie geraubt, ohne des orientalischen Schmutzes Herr werden zu können.