Dokument 
Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
Seite
200
Einzelbild herunterladen

200

Nach einmaligem Rundgang stellt sich der Oberpriester in der Kibla auf, und nun beginnen die Drehungen. Die Hände, welche bisher gekreuzt auf der Schulter gehalten wurden, werden erhoben, dann gestreckt, die eine Handfläche nach unten, die zweite bei leicht gebogenem Arm nach oben, der Kopf gegen diese etwas zur Seite geneigt. Zuerst langsam, dann immer schneller werden die Drehungen. Die weissen Röcke beschreiben einen fliegenden Kranz. Ein nicht un­melodischer Gesang begleitet das Drehen. Nach io Minuten etwa erholen sich die Derwische durch einen abermaligen Rundgang, um dann wieder ihren Zikr so heisst ihr Tanz zu beginnen. Die ernsten feierlichen Bewegungen, die gravitätische Haltung, das andächtige Benehmen der An­wesenden macht einen ganz guten Eindruck, hier scheint es wirkliche religiöse Ueberzeugung zu sein, während man in Kairo bei den heulenden Derwischen das Gefühl hatte, sich unter Tollhäuslern zu befinden.

Nachdem die Feier beendet war, stiegen wir auf den Berg Pagus, an dessen Fusse die Stadt liegt. Zerfallene Mauern einer genuesischen Festung krönen denselben. Eine wahrhaft wundervolle Aussicht erschliesst sich den Blicken. Glänzend und glitzernd in der Abendsonne breitet sich der Golf von Smyrna, umgeben von hohen Bergen, aus. Er gleicht einem grossen Binnensee. In weiter Ferne der Kara Burun, das weit hinausragende Vorgebirge, dann eine Kette vulca- nischer Berge, steile spitzige Kegeln, unter ihnendie beiden Brüder sich erhebend über flacheren Rücken. An den Berg selbst schliesst sich die Stadt an mit ihren Kuppeln, Thürmen, Minarets und dem Gewirre von Häusern und Gassen. Im Hafen ankern bewimpelte Schiffe, manche ziehen hinaus in die See, lichte Linien im Wasser zurücklassend, während andere soeben einfahren. Dichte Cypressenwaldungen in der