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Stadt und um dieselbe bezeichnen die Begräbnissstätten der Bewohner. Jenseits des Golfes das breite, versandete Flussbett des Hermos, welcher jährlich sein Steingeschiebe in den Golf ablagert und mehr und mehr die Fahrbahn einengt. Dann das Städtchen Cordelio, der Wohnort vieler reicher Smyrnioten, und die weite Ebene von Burnabad, welche die Natur mit verschwenderischer Fruchtbarkeit ausgestattet hat. Hinter den hohen Bergen, die den Horizont gegen Norden abschliessen, liegt Magnesia und weiter Pergamon. Auch gegen Süden trennt eine üppige Ebene den Pagus von den nächsten Bergen. Eine Eisenbahn führt in gerader Richtung durch dieselbe nach Ephesus. Ein mächtiger Aquäduct spannt seine schlanken Bögen zweistöckig über das Flüsschen Meies, an dessen Ufer Homer seine unsterblichen Werke schuf.
Doch vorwärts mussten wir, uns trennen von der Aussicht, denn noch war das Tagesprogramm nicht erschöpft. Wieder ging es im Wagen durch die Stadt. Vor jeder Hausthür sitzen die Frauen und Mädchen des Hauses in festlichen Kleidern, das Haar wie in Spanien mit einem Kamm gehalten und mit Blumen geschmückt. Alles wirft mit Knallerbsen herum; wir werden in den Wagen bombardirt und werfen wieder zurück. Alles lacht und ist heiter. Vor der Stadt ein grosses, klares Wasserbassin, das sogenannte Dianabad: hier stand einst ein Tempel dieser Göttin; doch jetzt sind alle Spuren desselben verwischt. In unmittelbarer Nähe der Garten eines Herrn Askebiades, eine wahre Blumenwildniss! Er ist nicht gepflanzt und gehalten, aber was für ein Reichthum an Blüthen und Blumen, welche die Luft mit ihren Düften erfüllen. Weisse, rothe, gelbe Rosen in dichten Büschen überziehen die verschiedenen Bäume, deren Stämme von Epheu umrankt sind. Cypressen, Magnolien, blühende Pau- lovnien, Katalpen, Orangen und japanische Mispeln haben