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24- April. Um 5 Uhr Morgens war ich bereits auf Deck, auf welchem sich heute ausnahmsweise alle Reisenden zeitig einfanden. Das Bewusstsein, sich Griechenland, dem Reiche des classischen Alterthums, zu nähern, hatte den Schlaf von den Wimpern gescheucht. Kaum begann erst der Tag zu grauen, noch leuchtete verblassend die Mondsichel. Wir waren in der Höhe des Cap Sunium, nach den Säulen des Athenetempels Cap Coonna genannt, der südöstlichsten Spitze Attikas. Vorgelagert die Insel Makronisi (Helena) und Gaidaronisi, während Zea (Keos) weit hinter uns lag. Wir hatten die Inselgruppe der Kykladen passirt. Langsam wich die Nacht dem Lichte, Berge und Inseln rosig angehaucht von der aufsteigenden Sonne. Der Golf von Athen, der Saro- nische Meerbusen breitete sich vor uns aus mit seiner grossartigen Umgebung; das Pentelikon-Gebirge, der Kitheiron, der beschneite Parnass und all’ die Berge Attikas, welche einen Halbkreis bilden um die Stadt des Kekrops, um das Heiligthum, die Akropolis, deren Ruinenfeld, ein lebendes Geschichtsbuch, uns all die Namen zurückführt, die Athen und Griechenland gross gemacht, sich selbst aber bleibenden Ruhm errungen haben; die Inseln Aegina und Salamis, darüber hin die steilen Plöhenzüge des Peloponnes. Die weissen Häuser des Piräus werden immer deutlicher sichtbar. Wir biegen um Akte herum und nun fahren wir ein in den Hafen, welchen die Schiffer porto leone nennen, nach einem Marmorlöwen, der früher hier stand, dann aber nach Venedig gebracht wurde.
Es ist der Hafen, den Themistokles schuf, um Athen zur hervorragenden Seemacht zu machen, den Perikies durch eine doppelte Mauer mit der Hauptstadt verband. Hier ankerten die Trieren Themistokles’, nachdem sie in der Seeschlacht von Salamis die persische Flotte vernichtet hatten,