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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
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Schlosse findet. Dieses, ein grosses hässliches Gebäude, dessen Façade nur durch einige Säulen über dem Eingänge geziert ist, wurde durch den Architekten Gärtner für König Otto in den Dreissigerjahren gebaut. Wie konnte man nur einen so geschmacklosen Kasernenbau im Angesichte einer Akropolis bauen?

An den übrigen Seiten umschliessen grosse Gebäude, zumeist Hotels, den Platz, auf welchem ein ziemlich reges Leben herrscht. Weit auf den Platz hinaus stehen Tische und Sesseln der Cafés und Restaurants. Gegen Nachmittag sind alle Tische besetzt und eine Musikkapelle zieht die Spaziergänger an. Es ist eine moderne Stadt, die sich in Häusern, .Strassen und der Kleidung kundgibt. Selten sieht man einen Landbewohner in griechischer Tracht. Nur die j ägerbataillone tragen das malerische Kleid, die rothe, mit einer Cocarde und langer Quaste geschmückte Mütze, die reich mit blauen Schnüren gestickte weisse Jacke mit den offenen herabfallenden Aermeln, den weissen, in zahllosen Falten abstehenden Rock, die Fustanella, weisse anliegende wollene Hosen, welche mit Strumpfbändern unter dem Knie gehalten sind, und endlich den spitzigen rothen Schnabel­schuh mit schwarzen Pompons an der äussersten Spitze. Lauter schön gewachsene Leute. Das übrige Militär trägt europäische Uniform, sieht aber ebenfalls sehr gut aus.

Einen Besuch bei unserem Gesandten Baron K. ge­macht und dann auf den Lykabethos, um einen Ueberblick über Stadt und Land zu erhalten. Wenn irgend möglich be­steige ich gleich nach der Ankunft in einer mir neuen Stadt einen Thurm oder einen Berg; man prägt sich auf diese Weise die Lage am besten ein und orientirt sich viel leichter. Der Lykabethos ist wie geschaffen für eine solche Orientirung. Er ist ein steiler Felsenkegel aus einem marmorähnlichen