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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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werken Laurions führt, ab. In einer halben Stunde ist man in Kephisia, in dessen Nähe der Kephisos entspringt. Das Wasser des Flusses kommt dem Orte mit seinem vielen Grün zu Gute. Schöne Bäume und viele Blumen zieren ihn. Wir besteigen einen Omnibus, ein entsetzliches Fahrzeug mit aus­gefahrenen Axen; hin- und herschwankend und stossend rollte der Wagen auf der guten Strasse hin. Je weiter man kommt, desto dichter schliessen sich die Bäume, bis man sich vor Tatoi in einem Walde nach unseren Begriffen befindet. Auf halber Höhe des Berges etwa wird aus dem Walde ein schöner Garten, zahlreiche gut gehaltene Wege ziehen sich die Lehnen hinauf und in die Thäler. Bäume mit rankenden Rosen, blühende Sträucher mischen sich unter die Kiefern des Waldes. Rauschendes Wasser wird geschickt auf Beete und Pflanzungen geleitet. Auf einer Terrasse steht das neu gebaute kleine Schlösschen des Königs. Es ist noch nicht vollkommen eingerichtet. Das Gebäude hat keinen Styl, es soll eine Copie eines der vielen Schlösser bei Peterhof sein. Der Raum ist beschränkt, die Einrichtung einfach, aber die Lage prachtvoll: der Punkt mit grossem Geschick gewählt. Mitten aus dem Waldesgrün heraus geniesst man den Blick über die ganze Ebene, sieht in der Ferne die Akropolis, das Meer, die Inseln und die peloponnesische Küste. Hier muss es sich prächtig ausruhen von den Sorgen der Regierung, hier muss man frei aufathmen können nach dem Staube der Residenz. Hier kann sich der König, frei von den Fesseln der Etiquette, dem Genüsse der schönen Natur hingeben. Das Haus fasst nur die königliche Familie. Das Gefolge ist in eigenen Häusern untergebracht. Hier lebt Georgios nur für sich und seine Familie.

30. April. Der Wunsch, die Ausgrabungen von Mykenä noch einmal zu sehen, führte uns wieder in das Polytechnikum,