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auch die Vasensammlung wurde besucht. Sie ist ausserordentlich gut aufgestellt ; nach Zeiten geordnet. Die Keramik war auf unendlich hoher Stufe, es sind künstlerische Leistungen.
Das Akademiegebäude, von Hansen gebaut, ist eine Widmung Sina’s, dessen Marmorstatue im Versammlungssaale aufgestellt ist. Griepenkerl aus Wien schmückte die Wände mit schönen Fresken, welche die Prometheussage darstellen. Besonders schön die Einführung des Prometheus durch Herakles in die olympische Götterversammlung. Der Bau erinnert lebhaft an unser Reichsrathsgebäude, das ebenfalls Hansen baute. Die Giebelfiguren sind von einem geschickten Athener Bildhauer. Die Polychromirung auf den Marmorsäulen und Wänden ist wohl genau nach klassischem Vorbild, doch kann ich ihr keinen Geschmack abgewinnen. Auch Schliemann’s Haus wurde besucht. Im Erdgeschosse sind Funde aus Troja aufgestellt, interessant, weil sie eben aus Troja sind, sonst bieten sie aber nichts Anziehendes. Wir wurden durch das ganze Haus geführt. Ueberall Aufschriften aus der Ilias. Schön ist nur die Bibliothek, das eigentliche Arbeitszimmer der Gelehrten im zweiten Stocke mit der herrlichen Aussicht auf die Akropolis. Als Schliemann einst Prüfungen in einem Pensionate beiwohnte, ward er so begeistert von dem Vortrage der Ilias durch ein Mädchen, dass er die Sprecherin als Frau heimführte. Seine Kinder führen Namen, die damalige Helden und Frauen trugen, selbst die Dienerschaft wurde umgetauft. Schliemann ist gegenwärtig in Paris, so dass ich leider seine Bekanntschaft nicht machen konnte.
In der Nähe des Stationsgebäudes der Piräusbahn ist man bei Ausgrabungen auf eines der alten Thore Athens, auf das Dipylon, Doppelthor gestossen; es wurde zum Theile
Franz Graf Th., Eine Orientreise. 15