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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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freigelegt und hierauf die an dasselbe stossende Gräber­strasse. Wie in Rom längs der Via sacra Begräbnissstätten waren, so ist es auch hier. Es ist die heilige Strasse, welche nach Eleusis führte. Rechts und links sind Grabdenkmale von ausgezeichneter Ausführung und trefflich erhalten. Das Grab des Deykleos (gefallen 394 v. Chr.), der zu Pferd, im IC ampfe den Gegner überreitend, dargestellt ist, das Grab der Plegeso, eine sitzende Frauengestalt, welche einem von einer Dienerin gehaltenen Kästchen Schmuck entnimmt, das Grabmal der Demetria und Pamphile u. s. w. Die Namen sind durch Aufschriften erhalten, wenn auch über manche sonst nichts bekannt ist. Kleinere Grabsteine von Werth wurden in das Centralmuseum übertragen, doch die hier stehenden sind so solid und gut erhalten, dass man sie auf dem Orte der Auffindung belässt.

Nachmittag führte uns die Dampftramway nach der Bucht von Phaleron, wo die Seebäder Athens sind. Einige grosse Hotels und mehrere Villen stehen am Strande. Es ist noch zu früh in der Jahreszeit, später soll ein ungeheuer reges Leben hier herrschen.

Der Hügel Munychia ist so nahe, dass wir hinaufsteigen müssen. Wir werden reichlich belohnt, denn die Aussicht auf die drei Häfen, welche der Berg bildet, den von Munychia, von Zea und Piräus, auf das Meer mit den Inseln, auf das Land mit der Akropolis ist wunderschön in der Abend­beleuchtung. Mit der Bahn zurück.

1. Mai. Meiner lieben Anna Geburtstag! Gottes reich­ster Segen über Dich, meine Herzensfrau!

Vor der Abreise noch eine kleine Rundfahrt gemacht, Abschied genommen von den schönen Ruinen, die, aus gelb­lichem pentelischen Marmor geschnitten, sich poetisch von dem blauen Himmel Griechenlands abheben. Vom Museion