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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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aus noch den Blick auf die Akropolis genossen; es ist die richtige Entfernung, man vergisst, dass es Ruinen sind, man beugt sich vor der grossartigen Anlage der Tempel.

Auf dem Museion stehen die Reste eines Denkmales, des Philopappos (114 n. Chr.), eines Enkels von Antiochus Epiphanes, welcher Bürger Athens und römischer Consul war. Halbbogenförmig war das Monument; Statuen und Haut­reliefs zierten dasselbe. Nun ist es stark zerstört.

Einem Leichenzuge begegnet. Man trägt die Leiche in offenen Särgen durch die Stadt, und wie man die Todten den Mitbürgern zeigt, so zeigt man auch die Brautausstattungen, denn auch diese werden durch die Strassen getragen. Athen soll theilnehmen an der Trauer, wie an der Freude des Einzelnen.

Die Stunde der Abfahrt schlägt, wir nehmen Ab­schied von K. und besteigen den Wagen, um nach Piräus zu fahren. Wir waren jedoch noch nicht ausser der Stadt, als ein Vorderrad brach, der Kutscher vom Bocke fiel und wir glücklich an dem Trottoir festrannten. In einem zweiten Wagen wurde die Fahrt fortgesetzt. Adio, du klassischer Boden, du Stadt, der Solon Gesetze gab, du schöne ehrwür­dige Akropolis; mögest du unerschüttert von Erdbeben, Sturm oder Menschenhand stehen bleiben, um Zeugniss zu geben von dem grossen Volke, das dich gebaut.

Es war bereits dunkel, als wir an Bord derVenus, einer guten Bekannten von der Fahrt von Port Sa'id nach Jaffa, den Plafen verliessen. Hell erleuchtet waren die Häuser und Strassen von Piräus. Die Schiffe trugen nur mehr die Wachlaternen, von Bord eines Kriegsschiffes erschallte Musik; unmerklich glitten wir hinaus zwischen den rothen und grünen Signallichtern, und erst als das Commandotutta forza ertönte, zog die Schraube ihre schäumende Furche im Saronischen Golfe.

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