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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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2. Mai. Zeitig am Morgen sah man die Umrisse von Euböa (Negroponte), davor die Insel Skyro, während zur Rechten, hinter der kleinen Insel Psara, Chios sich aus dem Wasser erhob, und der Kara Burun den Horizont begrenzte. Es war ein prachtvoll schöner Tag. Hell leuchtete die Sonne, die See war spiegelglatt. Ein leichter Wind kühlte die Luft. Wir begegnen vielen Dampfschiffen, zumeist Engländern, die ohne viel Rauch dahin fahren, während wir eine dicke schwarze Rauchwolke zurücklassen. Es ist der Qualitäts­unterschied zwischen englischer und österreichischer Kohle. Auf vieles Andrängen verwendet jetzt derLloyd Ostrauer Kohle, welche loco Triest theurer als englische Kohle, da­gegen aber wesentlich schlechter ist. Gegen Osten haben wir die Insel Mytilene mit dem Cap Sigri, weiter bis in die Wolken ragend den beschneiten Ida, wo Paris das schwere Amt zufiel, der schönsten von drei schönen Frauen den Apfel zu reichen. Links sehen wir Lemnos, dann fahren wir knapp an Tenedos vorbei; in einer Bucht das kleine Städtchen Tenedos mit unbedeutenden Hafen- und Festungswerken.

Die Fahrstrasse ist eng zwischen der niedrigen Insel und dem kleinasiatischen Festlande. Die Besika Bai schneidet ins Land ein, hier ankerte die englische Flotte während des russisch-türkischen Feldzuges und dampfte, als sich die Russen Constantinopel näherten, zum Schutze der türkischen Hauptstadt in den Bosporus. Die Ebene Trojas erscheint, wo der greise Priamos den griechischen Helden erlag, wo Achill den Patroklos rächte, wo Andromache besorgt Hector in den Kampf ziehen sah. Die Küste wird immer flacher; Jenikoi, dann Janitschari, ganz stattliche Orte, liegen am Ufer. Die schroffen Berge Samothrakes und Imbros ziehen wieder den Blick nach links. Es gibt immer etwas zu sehen, das Fernglas kommt nicht von den Augen.