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lassen, das goldene Horn mit dem Walde von Masten, auf beiden Seiten Paläste und Moscheen, Gärten und Häuser in dichtem Gedränge. Auf asiatischem Ufer Skutari mit den grossen Kasernen. Dampfschiffe fahren aus und ein. Die Dampfpfeife ertönt warnend von allen Richtungen. Boote umschwirren unsere „Venus“; eine Schaar von Hotelagenten überfluthet das Schiff; wir haben den Anker in die Tiefe fallen lassen. Es ist dasselbe rege Treiben wie bei der Landung in Alexandrien. Wir warten, bis die Mehrzahl der Reisenden, alle unsere lärmenden, singenden, schreienden Zwischendeckpassagiere das Schiff verlassen haben, um uns ebenfalls ans Land zu begeben. Pass- und Zollformalitäten waren bald abgethan, jetzt wünscht man noch Visitkarten von uns; sie werden gegeben und dann die Wagen bestiegen, die uns in das „Hotel Angleterre“ bringen. Der Regen vermehrte den Schmutz, der in den Strassen Constantinopels wohl ewig herrscht. Auf steiler Strasse geht es hinan. Heerden von Schafen drängen sich zwischen Wagen, Reitern und Lastthieren durch. Hunde in Rudeln von zehn bis zwölf liegen herum, suchen ihre Nahrung in dem Unrathe, der aus den Häusern auf die Gasse geworfen wird. Wir biegen in die Grand rue de Pera ein, die eleganteste Strasse der Stadt, und halten vor dem Llötel.
Wie wird es hier mit dem Tagebuche gehen; wie wird man seine Eindrücke fassen können, wann Zeit finden, sie aufzuschreiben? Von Früh bis Abends ist man in Bewegung. Moscheen, Paläste, Bazare sollen beschrieben werden, man sollte das Leben, den Lärm schildern, welcher uns umgibt, man müsste es versuchen, eine Skizze zu entwerfen von der Hauptstadt des türkischen Reiches in ihrer prachtvollen Lage, wo Europa an Asien sich schmiegt, wo das Orientalische mit dem Europäischen sich berührt, wo Wasser