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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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dehnung. Der Wald ist gesetzlich geschützt und wird sorg- fältigst gepflegt, denn er bildet das Wassergebiet Constan- tinopels. In grossen, durch Thalsperren gebildeten Teichen (Bend) sammelt sich Quellwasser, Regen und Schnee. Aquä- ducte führen das Wasser in die grossen Reservoire von Stambul und Pera, von denen sich ein weit verzweigtes Röhrennetz über die ganze Stadt ausdehnt.

Neben den Aquäducten verschiedener Sultane ist heute noch der von Kaiser Justinian in Benützung. Gute Strassen führen aus der Stadt wie aus Bujukdere in den Wald hinaus. Er ist ein beliebter Ausflugsort.

Spät am Nachmittage war es, als wir dieRosina wieder bestiegen und abwärts fuhren nach Galata. Das Wrack eines österreichischen LloydschiffesMars ragt aus dem Wasser empor. Es ward im vorigen Herbste von einem russischen Dampfer angerannt und sank, zu Tod getroffen, auf den Grund. Passagiere und Mannschaft wurden gerettet; 800 Hammeln aber, die an Bord waren, verfielen den Wellen.

Diesmal fuhren wir dem asiatischen Ufer näher. Es ist reicher bewaldet wie das europäische. Auch hier Paläste und Gärten; blühende Rosen, Glycinien, Paulownien zwischen schwarzen Cypressen, schirmförmigen Pinien, Platanen, Akazien und anderen Laubbäumen. In der Nähe von Bej- lerbej befindet sich auf dem sogenannten Kanonenhügel die Alarmstation für den Fall eines Brandes in der Hauptstadt. Kanonenschüsse bezeichnen je nach der Zahl die verschie­denen Stadttheile. Constantinopel besitzt ausser einer wilden, undisciplinirten, türkischen, eine durch Odön Szechenyi Pascha nach europäischem Muster organisirte Feuerwehr. Auf demThurme des Seraskierats und von Galata sind Feuer­wachen postirt. Bei Ausbruch eines Brandes muss ein Mann bis zu der am Ende der Stadt befindlichen Kaserne laufen,