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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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alten Festungswerke haben sich die jetzigen Bewohner ein­gebaut. Mehrere Häuser lugen hervor aus dem .Schatten der epheuumrankten Mauern und Wälle.

In Jenikioi stiegen wir ans Land. Mich interessirte der Palast, den der Sultan unserer Regierung als Sommersitz der Botschaft geschenkt hat. Oft genug habe ich von ihm in den Delegationsverhandlungen gehört. Er war niemals ausgebaut und heute steht er mit seinen Marmorsäulen und Altanen als vollständige Ruine da und jeder Vorüberfahrende sieht es, dass wir nicht Geld genug haben, das Geschenk seiner Bestimmung zuzuführen.

Im Oriente ist nur die Macht angesehen und mächtig, deren äusseres Auftreten auch vornehm ist. Ich wollte, wir bauten das Palais schnell wieder auf!

Die Lage ist ausgezeichnet, der Garten steigt in Terrassen den Hügel hinan; er ist eine Wildniss und könnte ein Paradies sein. Deutschland, England, Frankreich, Russland, ja selbst Italien haben ihre eigenen Paläste in wohlgepflegten Parks, nur wir sind in der Miethe, weil wir den eigenen Besitz nicht in Stand setzen können!

Therapia und Bujukdere sind der Sitz sämmtlicher fremder Vertreter, und zahlreiche Bewohner der Hauptstadt bringen hier ihre Sommer zu. Der Bosporus öffnet sich gegen das schwarze Meer, ein erfrischender Nordwind kühlt die heisse Luft; zahlreiche Gärten, schattige Thäler schützen vor den Strahlen der Sonne.

Von Bujukdere machten wir eine Fahrt nach Belgrad, einem kleinen griechischen Dorf, malerisch in einer Lichtung des gleichnamigen Waldes gelegen. Ein wirklicher, wahr­haftiger, schöner, grosser Wald. Eichen, Ahorne, Buchen, Ulmen und edle Kastanien, gegen Norden auch Nadelhölzer bilden einen geschlossenen Bestand von bedeutender Aus-