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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Immer dem Laufe der Maritza folgend, die hier aber ein bescheidener Bach ist, steigt die Bahn zwischen dem Rho- dopegebirge und der Gredna Gora steil hinan und erreicht beim Passe Vakarell die Wasserscheide zwischen dem ägäi- schen und schwarzen Meere. Die Höhen sind grösstentheils bewaldet und manch hübscher Blick öffnet sich in die Seiten- thäler. Erst die Passhöhe ist kahl. Bald hinter Ichtiman erreichen wir das eigentliche Bulgarien, diese Schöpfung des Berliner Vertrages, dessen selbstständige freie Entwicklung sämmtliche Mächte zu schützen trachten gegen übergrei­fenden Einfluss des nordischen Kolosses.

Bei Novi Han betritt die Bahn den weiten Kessel, in wel­chem die neue Hauptstadt des kleinen Eürstenthums liegt. Des Coburgers Fahne weht von dem Schlosse. Die schroffen Höhen der Stara Planina begrenzen die Ebene im Norden, während im Süden dichter Schnee den Gipfel des Vitosch bedeckt. Bei Slivnitza treten die Berge näher heran, bis man vor Pirot durch eine enge, wilde Felsschlucht fährt, in deren Sohle die Nischawa d'ahinbraust. Es ist eine wilde, interessante Strecke.

Zwischen Slivnitza und Pirot fanden die Gefechte und Schlachten zwischen Serbien und Bulgarien statt. Bis Pirot drängte der siegreiche Battenberger die serbische Armee zurück; noch sieht man Erdwälle und verfallene Häuser, welche an die hartnäckigen Kämpfe erinnern.

n. Mai. Bei Nacht übersetzten wir die Donau zwischen Belgrad und Semlin. Wir sind im geliebten Oesterreich. Durch die unabsehbaren Ebenen Ungarns, an dessen blühen­der Plauptstadt vorbei, zwischen Wäldern und Feldern rast der Orientexpress dahin. Der gute alte Stephansthurm winkt uns freundlich entgegen. ,

Wir sind am Ende unserer Reise, das Tagebuch wird geschlossen, um in späteren Jahren vielleicht noch manchmal von mir durchblättert zu werden. Dann wachen die Erinne-

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