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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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BLASCHKA & COMP.

K. K. PRIV. WOLLWAAREN-FABRIK

LIEBENAU IN BÖHMEN.

iese Fabrik wurde im Jahre 1836 von den drei Liebenauer Bürgern Conrad Blaschka, der ein Glas- geschäft betrieben hatte, Franz Hiller, einem gewesenen Schwarzfärber, und dem Kaufmanne Anton May gegründet. Der im Jahre 1839 verstorbene Anton May traf in seinem Testamente die An­ordnung, dass der ihm gehörige Geschäftsantheil zinsenfrei bleiben und nach und nach, wie es die Entwickelung des damals noch auf schwachen Füssen stehenden Unternehmens zulassen werde, zur Rückzahlung gelangen solle. Das war ein grosser Vortheil für das junge Unternehmen, welches in der schweren geschäftslosen Zeit der Vierzigerjahre nur mühsam aufrecht erhalten werden konnte, zumal die bereits bestehende, kräftig entwickelte Concurrenz der Reichenberger gleichen Fabrication drückend empfunden wurde. Die zurück­gebliebenen beiden Gesellschafter waren schon darauf gefasst, dass die Fabrication werde eingestellt werden müssen, als im Jahre 1849 eine Wendung zum Besseren eintrat, ausgehend von dem Brünner Fastenmarkte dieses Jahres, an welchem alle mitgebrachten Waaren ausverkauft wurden.

Das Geschäft hob sich nun zusehends und hatte im Jahre 1854 grosse Bedeutung erlangt. In diesem Jahre trennten sich die beiden Gesellschafter und verlegte Conrad Blaschka seinen Betrieb nach Katharinberg bei Reichenberg unter der alten Firma Blaschka & Comp., Franz Hiller aber nach Jungbunzlau.

Von der Zeit an wurde von der Firma Blaschka & Comp, ein grosser Theil der Waaren durch die in der Katharinberger Fabrik eingerichtete mechanische Weberei gewebt. Aufgefordert von der Bürgerschaft Liebenaus und seinem Herzenszuge folgend, verlegte Conrad Blaschka im Jahre 1856 das Geschäft wieder in seine Heimat­stadt Liebenau, wo es also mit einer Unterbrechung von zwei Jahren nun seit mehr als 60 Jahren besteht.

Die mechanische Weberei blieb in Katharinberg bis zum Jahre 1871 und wurde zufolge des Verkaufes der Katharinberger Fabrik in erwähntem Jahre in die vorher bedeutend erweiterte Liebenauer Fabrik, in welcher bis dahin nur die Druckerei, Färberei und Appretur untergebracht waren, verlegt. Mit dieser bedeutungsvollen Aenderung hörte die Handweberei, welche bisher durch Factoren betrieben wurde, die ihre Weber in der Gegend weit verbreitet hatten und einen grossen Theil der Waaren im Lohne die Garne zum Aerweben erhielten sie von der Fabrik lieferten, gänzlich auf.

Die Fabrik, einige hundert Schritte von der Stadt entfernt, an der nach Gablonz führenden Strasse gelegen, bestand ursprünglich aus einem hart an den Mohelkabach gebauten kleinen einstöckigen Gebäude, an welches später ein Flügel angebaut wurde. In den Jahren 1843/44 wurden die Färberei- und Appreturgebäude, sowie eine grosse Druckerei zugebaut, 1873 der Weberei-Shed mit einem Vorbereitungsgebäude und 1883 eine zweite Druckerei, sowie ein Färberei-Shed errichtet. Seither ist noch durch einen Nachbau von zwei Shedfeldern zur Weberei und neuerlich durch einen Umbau der Färberei eingetretenen Bedürfnissen Rechnung getragen worden.

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