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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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Mit 200.000 Kronen haben die Chefs eine Alters- und Invaliditätsversorgung für die Beamten und Arbeiter ihrer Fabriken in Heinersdorf und Bärnsdorf geschaffen, deren Zinsen statutengemäss obigen Zwecken zugeführt werden.

Ausserdem besitzt die Firma noch eine von ihrem Gründer, Herrn Felix v. Heintschel, herrührende Stiftung zu Gunsten der vor dem Feinde verwundeten Soldaten aus Heinersdorf, Wünschendorf und Dittersbächel. Die Zins­erträgnisse daraus werden alljährlich den Betreffenden von der Behörde zugewiesen. Die Firma kommt ferner den Wünschen ihrer Arbeiter nach Gründung eines eigenen Heimes in der förderndsten Weise entgegen, indem sie ihnen mit unverzinslichem Capital, kostenlosem Materialbeitrag etc. hilfreich beisteht und damit nicht nur erreicht hat, dass sich eine recht ansehnliche Anzahl netter Häuschen mit Gärtchen, deren Anblick einen Jeden erfreuen muss, um die Fabrik gruppirt, sondern auch, dass bei den Arbeitern der Sinn für Häuslichkeit und Sparsamkeit geweckt und gepflegt wird.

Die aus der grossen Anhänglichkeit an die Firma hervorgegangene Sesshaftigkeit der Arbeiter findet eine treffende Illustration in dem Umstande, dass z. B. die Druckerei allein 12 Jubilare zählt, welche ihre 50jährige Arbeitszeit fast ausschliesslich bei der Firma zugebracht haben. Die Anzahl der Drucker, Weber und Arbeiter, welche über 40 Jahre in den beiden Fabriken in Arbeit stehen, ist eine sehr bedeutende.

Beide Fabriken besitzen gut ausgestattete, wohl organisirte und geübte Fabriksfeuerwehren, die sich schon bei sehr vielen Bränden in ihren eigenen wie auch in den umherliegenden Dörfern auf das Vorzüglichste bewährt und Anerkennung gefunden haben.

Die Fabriksfeuerwehr von Heinersdorf besteht seit 1873 und hat heute einen Bestand von 80 Mann; diejenige von Bärnsdorf wurde vor 15 Jahren gegründet und zählt 60 Mann.

Die Chefs der Firma erbauten der Gemeinde Heinersdorf im Jahre 1894 eine sechsclassige Volksschule, welche 50.000 fl. kostete, renovirten die Kirche und machten den Gemeinden Heinersdorf, Bärnsdorf und Ditters­bächel wiederholt grössere Widmungen zu gemeinnützigen, humanen Zwecken. So wirkten die Chefs der Firma für das Aufblühen der genannten Gemeinden nach dem Wahlspruche Seiner Majestät, unseres geliebten Kaisers:

»Viribus unitis!«

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Die Gross-Industrie. IV.

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