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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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H LAW ATS CH & ISBARY

K. K. LANDESPRIVILEGIRTE WOLLWAAREN-FABRIK

GRASLITZ IN BÖHMEN.

ie Entwickelung dieser Firma stand seit jeher unter dem Zeichen der schönen Traditionen der öster­reichischen Gross-Industrie und unter dem Sterne jenes Erfolges, welcher der schöpferischen Initiative der Gründer, scharfer, kaufmännischer Urtheilsfähigkeit, und vor Allem intensivem, rastlosem Fleisse zu danken ist. Die Geschichte der Firma reicht in das Jahr 1829 zurück, in eine Zeit, in welcher die Wiener Stadtbezirke Mariahilf und Neubau die Stätte einer blühenden Schafwoll- und Seiden-Industrie bildeten.

Der Gründer der Firma, Ivarl Hlawatsch, war das Muster des intelligenten, tüchtigen und mit uner­müdlichem Fleisse ausgestatteten Industriellen, und es gelang ihm bei diesen Eigenschaften bald, dem Geschäfte einen immer grösseren Aufschwung zu geben. Er erbaute im Jahre 1839 in der Liniengasse Nr. 11 in Mariahill eine grosse Fabrik (Abbildung II), welche bis zum Jahre 1891 ihrem ursprünglichen Zwecke diente. Anfänglich erzeugte Karl Hlawatsch Schafwolltücher, halbseidene gedruckte und fagonnirte Damenkleiderstoffe, bis er im Jahre 1849 auch die Fabrication von türkischen Shawls in Angriff nahm.

Der Mitbegründer der Firma und langjährige Präsident der Wiener Handels- und Gewerbekammer, Rudolf Friedrich Ernst Isbary, dessen tief eingreifende, seinem Lande zur Ehre gereichende Wirksamkeit von Seiner Majestät dem Kaiser durch die Ernennung zum Mitgliede des Herrenhauses anerkannt wurde, war der Träger hervorragender Eigenschaften des Geistes und Charakters, welche durch die Uebertragung zahlreicher Ehrenstellen gewürdigt wurden.

Sein Name muss in erster Linie genannt werden, wenn man die Geschichte dieser stetig aufsteigenden Firma darstellen will, deren Ruf Rudolf Isbary begründete, um sie als werthvolles Erbe seinem Nachfolger zu hinterlassen. Schon in jungen Jahren bekundete Rudolf Isbary die Neigung und Fähigkeit, neue Pfade für den industriellen Absatz zu finden. Nachdem er zu diesem Zwecke grosse Reisen ins Ausland unternommen hatte, errichtete er 1849 in Livorno ein Commissionsgeschäft zum Vertriebe österreichischer Seiden-, Mode-, Leinen- und Tuchfabrikate nach Italien, Algier, Tunis und Aegypten. Da die bezeichneten Artikel in jenen Ländern grösstentheils noch unbekannt waren, hatte Isbarys Versuch einen glänzenden Erfolg; allein dieser Wirkungskreis wurde seinem vorwärtsstrebenden Geiste bald zu enge. Er kehrte 1852 nach Wien zurück, wo er Gesellschafter der bedeutenden Commissionsfirma August Koch wurde. Im Jahre 1853 vermählte er sich mit der Tochter Karl Hlawatsch, und dieser Familien­verbindung folgte 1856 die Associirung mit seinem Schwiegervater.

Die Firma Hlawatsch & Isbary wendete nun ihre ganze Aufmerksamkeit der Shawlfabrication zu, um dieselbe in grossem Maassstabe zu betreiben. Im Jahre 1857 musste, da die geräumigen Fabrikslocalitäten in der Liniengasse für das immer grösser werdende Unternehmen nicht mehr genügten, eine Factorei in Gmünd errichtet werden. Zwei Jahrzehnte hindurch war die Thätigkeit der Firma vorwiegend der Erzeugung und dem Exporte von Shawls gewidmet. Der ungeahnte Erfolg des Hauses auf diesem Gebiete ist zum grössten Theile darauf zurückzu­führen, dass es sich nicht mit der Schablone der Production und des Vertriebes begnügte, sondern unausgesetzt die Fortbildung und Ausgestaltung in diesem Fache anstrebte.

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