und Jahrmärkte war, hatte angesichts des Gebrauches von Confectionsstücken seinen Werth verloren. Das Absatzgebiet dieses Artikels wurde überdies durch die neu erstandene grosse Concurrenz Frankreichs, Englands und Deutschlands eingeengt, welche Shawls in Massen producirten, während in früheren Jahren Frankreich nur hochfeine, England und Deutschland beinahe gar keine Shawls erzeugt hatten.
Dieser Umschwung der A r erhältnisse wies dem Hause und den jungen Chefs neue Bahnen. Die Firma verlegte sich schon zu Beginn der Achtzigerjahre vorwiegend auf die Fabrication von Damenkleiderstoffen. Die in der Factorei in Gmünd beschäftigten Weber, welche seit Jahrzehnten an die gleiche, für die nunmehr in Angriff zu nehmende Fabrication nicht mehr genügende Arbeitsschablone gewöhnt waren, konnten nicht länger in Betracht kommen. Da aber in AVien die Arbeitskräfte zu theuer w T aren, errichtete die Firma eine Factorei in Asch, was jedoch von vornherein nur als ein provisorisches Auskunftsmittel gedacht war, da auch in dem neuen Industriezweige die umwälzende Kraft der modernen Technik zu Tage trat, welche den mechanischen AVebstühlen ein immer weiteres Anwendungsgebiet eröffnete und die Handwebstühle, auf welchen damals in Böhmen die AVebe- arbeit zum grössten Theile verrichtet wurde, zu verdrängen begann. Eine Firma von Bedeutung musste, wenn sie ihre Position in der Gross-Industrie behaupten und der mächtigen Concurrenz die Spitze bieten wollte, ihren Betrieb nach den neuesten technischen Errungenschaften einrichten. Es erschien beinahe am zweckmässigsten, eine neue Fabrik zu erbauen, und dieser Gedanke beherrschte auch längere Zeit die Inhaber der Firma, als sich denselben Ende 1889 die Gelegenheit bot, die sehr renommirte, modern eingerichtete AVeberei von Leopold Thomas in Graslitz käuflich zu erwerben.
Mit der Erwerbung dieses Etablissements beginnt eine neue Epoche in der Geschichte des Hauses Hlawatsch & Isbary. Leider war esAUctor Isbary nicht gegönnt, sich der Erfolge des neuen Unternehmens zu erfreuen. Er starb zwei Monate nach dem Ankäufe des Graslitzer Etablissements, ehe dasselbe noch im Gange war, und sein A r ater Rudolf Isbary folgte ihm 2'/ 2 Jahre später im Tode nach. Es ist hier nicht der Raum, das Leben dieses ausgezeichneten Mannes nach allen Richtungen hin erschöpfend zu behandeln, hier mögen nur noch die schönen AAMrte des Nachrufes Platz finden, welche die AViener Handels- und Gewerbekammer ihrem unvergesslichen Präsidenten in einem Gedenkblatte gewidmet hat und die von ihm sagen, er sei ein Mann gewesen, der durch Energie und Reinheit des Charakters, Umsicht und Erfahrung sich aus dem einfachen Geschäftsmanne durch eigene Kraft und aus eigenen Mitteln zum berufenen A 7 ertreter von Handel und Industrie im Centrum des Reiches emporgerungen und, erfüllt von den besten Tugenden, ein würdiger Repräsentant des schaffenden Oesterreich, seinen Namen der vaterländischen Geschichte einverleibt hat. —
Nach dem Tode Rudolf Isbary’s ruhte das Unternehmen allein auf den Schultern seines Sohnes Rudolf Freiherrn v. Isbary. Dieser entfaltete eine rastlose, von modernem Geiste erfüllte Thätigkeit. Er liess die Factoreien in Asch und Gmünd auf und erweiterte und vervollkommnete das Etablissement in Graslitz von Jahr zu Jahr. Anfangs wurden daselbst nur schwarze Cachemirs und Futterstoffe erzeugt; als die ersteren jedoch durch die geänderte Mode in den Hintergrund traten, lenkte Rudolf Freiherr v. Isbary das Geschäft in neue Bahnen, indem er mit voller Energie und grossem Erfolge die Fabrication von Kammgarnstoffen für Herren- und Damenconfection, von Cheviots und Damenkleiderstoffen in die Hand nahm und ausser der Niederlage in AVien noch solche in Prag und Brünn errichtete. Die Fabrik war bald derart mit Aufträgen überhäuft, dass fortwährend Zubauten und die Aufstellung neuer Maschinen nothwendig wurden. Den jetzigen Umfang des Etablissements zeigt dessen Abbildung an der Spitze dieses Aufsatzes. Durch die Güte, Schönheit und Preiswürdigkeit ihrer Erzeugnisse gelang es der Firma, die ausländischen Fabrikate zum Theile zu verdrängen. Selbst die grossen österreichischen Kleiderconfectionsfirmen, welche bei ihrem bedeutenden Export nach dem Orient den für ausländische Stoffe geleisteten Zoll restituirt erhalten, beziehen- nun einen grossen Theil ihres Bedarfes von der Firma Hlawatsch & Isbary. Für die Erzeugnisse derselben liegt hierin eine umso grössere Anerkennung, als die Firma hiebei mit der so hoch entwickelten Tuch-Industrie Englands, Belgiens und Deutschlands concurriren muss.
Die Geschichte des Hauses Hlawatsch & Isbary wäre jedoch unvollständig, wenn wir nicht auch des vortrefflichen Einvernehmens, das bei dieser Firma seit jeher zwischen den Theilhabern und ihren Bediensteten herrscht, gedenken würden. AA r ie in sämmtlichen alten Industriellenhäusern hatte sich auch hier zwischen den Chefs und den Arbeitnehmern ein patriarchalisches Verhältnis entwickelt, welches jedoch die Ersteren keineswegs vergessen liess, den socialen Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Die Firma war eine der ersten, die ihren Arbeitern durch Errichtung eines Kranken- und Unterstützungsvereines einen moralischen Halt und bei Erwerbsunfähigkeit eine wirksame materielle Stütze verlieh, indem sie jederzeit nicht nur der Rechte, sondern auch der Pflichten der Gross-Industrie eingedenk war.
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