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IG. KLINGER
WOI.LWAAREK -FABRIKEN
NEUSTAD TL BEI FRIEDLAND UND JUNGBUNZLAU IN BÖHMEN.
on der Station Raspenau der südnorddeutschen Verbindungsbahn führt eine wohlgepflegte Strasse durch wenig fruchtbares, aber freundliches Hügelland nach dem zwei Wegstunden entfernten, am Fusse des Isergebirges und im Thale des Lomnitzbaches gelegenen Städtchen Neustadtl. Schon aus der Ferne künden uns die vielen rauchenden Schlote, die sich sammt den umliegenden modernen Bauten von dem dunkelgrünen Wald- und Wiesengrunde malerisch abheben, das Vorhandensein einer hervorragenden industriellen Betriebsstätte. Das Städtchen selbst erweckt durch die zierlichen Häuser, guten Strassen und den hübschen Marktplatz den Eindruck einer gewissen Wohlhabenheit. Man braucht nicht lange zu forschen, um zu finden, dass diese Wohlhabenheit im engsten Zusammenhänge steht mit dem raschen Aufschwünge des dort befindlichen industriellen Etablissements von lg. Klinger, das der ganzen Gegend sein Gepräge aufgedrückt hat.
Dieser verhältnismässige Wohlstand Neustadtls datirt erst seit wenigen Decennien. Ursprünglich war es eine Bergstadt._Melchior Freiherr v. Rädern, der Besitzer der Herrschaft Friedland, begründete im Jahre 1584 die Gemeinde, indem er Bergleute aus dem Harz kommen und dort ansiedeln liess, welche in dem benachbarten Theile des Isergebirges auf Zinn und Kupfer graben sollten. Im Jahre 1592 erhielt die Ansiedlung zahlreiche Freiheiten und Privilegien, welche später erneuert wurden. Der Bergbau scheint jedoch niemals eine bedeutende Ausdehnung erlangt zu haben, ja, mit der Zeit erwies er sich als so wenig ergiebig, dass er im Laufe dieses Jahrhunderts bereits gänzlich aufgelassen wurde. Ein topographisches Werk aus dem Jahre 1834 1 * ) berichtet bereits: »Im hiesigen Gebirge am Rappoldsberge wird seit vielen Jahren ein fruchtloser Hoffnungsbau auf Zinn durch einen Steiger und einen Häuer betrieben; auch wurde am Kupferberge früher ein Bergbau, auf einem Lager von Kupferkies mit Magnetkies und Arsenikkies gemengt, versucht, aus Mangel an Ergiebigkeit aber wieder aufgelassen.«
Die Bewohner Neustadtls mussten sich deshalb bald nach anderen Erwerbsquellen umsehen. Der Ackerbau konnte bei dem rauhen Gebirgsklima nur wenig für die Ernährung bieten. Ersatz hiefür liess sich nur im Gewerbefleiss finden. Die aus dem Auslande zugewanderten Bergleute wurden deshalb zumeist Sägeschmiede und ihre Erzeugnisse scheinen sich einen guten Ruf erworben zu haben. Am Ende des vorigen Jahrhunderts wird gemeldet 3 ): »Merkwürdig ist auch, dass in dieser Stadt die besten Sägen verfertiget und von dannen häufig abgenommen werden. Zu deren besonderer Härtung soll der hiesige Leim und mineralisches Wasser ein Vieles beitragen.« Die übrigen Bewohner betrieben zumeist Hausweberei; im Jahre 1834 zählte man dort 103 Kattun- und Leinenweber.
Aber auch diese Erwerbszweige konnten der Bevölkerung von Neustadtl zu einem besonderen Wohlstände nicht verhelfen, umsomehr als das Städtchen durch zahlreiche Unglücksfälle schwer heimgesucht wurde. Die Gegenreformation hatte, wie in Nordböhmen überhaupt, so auch in dieser Gegend zur Folge, dass die Bewohner, die sich dem neuen Bekenntnis zugewandt hatten, lieber Haus und Hof verliessen, bevor sie sich dem gewaltsamen Religionswechsel unterwarfen. Im Jahre 1652 wanderten aus Neustadtl 272 Personen — zu der Zeit die Mehrzahl der Bewohner — nach der benachbarten Lausitz aus. Noch im Jahre 1684 zählte man in Neustadtl — abgesehen von Frauen und Kindern — 48 Bürger und 8 Insassen. Auch durch Feuersbrünste hatte Neustadtl öfter zu leiden. Im Jahre 1653
‘) Johann Gottfried Sommer, Das Königreich Böhmen statistisch-topographisch dargestellt. Prag 1834, H- Band, S. 316.
•) Dr. H. Hallwich, Reichenberg und Umgebung. Reichenberg 1872 —1874, S. 93.
3 ) Jaroslacs Schalter, Togopraphie des Königreiches Böhmen. Prag 1786, IV. Band, S. 294.
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