zukommen und seine Erzeugnisse, den Bedürfnissen der Abnehmer entsprechend, auf eine möglichst hohe Stufe der Vollendung zu bringen. Der capitalskräftige Kaufmann ist einer der wichtigsten Factoren für eine aufstrebende Industrie. Die österreichischen Industriellen konnten sich aber der Erkenntnis nicht verschliessen, dass ihnen dieses wichtige Zwischenglied fehle, und waren gezwungen, sich selbst zu behelfen. Die Firma lg. Klinger erkannte diesen Umwandlungsprocess rechtzeitig und errichtete in Folge dessen eigene Verkaufsstellen in Wien, Budapest, Prag und Brünn. Zur Hebung ihres Exportes etablirte sie noch ausserdem Vertretungen in Paris, Hamburg - , Constantinopel, Alexandrien, New-York, Mailand und Neapel.
Der von der Firma bis dahin stark gepflegte Export nach Italien gieng in Folge der unter günstigeren Vorbedingungen arbeitenden französischen und deutschen Concurrenz von Jahr zu Jahr zurück. Die genaue Kenntnis des bedeutenden Consums dieses Landes in Kammgarnartikeln, der bedeutende Schutzzoll, den die italienische Regierung auf dieselben gelegt hatte, und schliesslich der Umstand, dass das in Italien selbst erzeugte Fabrikat nur in kleinen Mengen und in schlechter Qualität auf den Markt kam, bestimmten die Firma lg. Klinger zu einem neuen energischen Schritt nach vorwärts, indem sie eine Fabrik für Kammgarnartikel in Italien selbst errichtete. Sie gewann für diese Idee den Mitchef eines grossen Manufacturhauses in Wien und errichtete gemeinschaftlich mit ihm im Jahre 1888 eine mechanische Weberei mit Färberei und Appretur in Prato bei Florenz. Diese Fabrik entwickelte sich, da sie aus einem altbewährten bestehenden Etablissement hervorgieng und sich die Erfahrungen desselben zu
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Nutze machte, sehr rasch. Gegenwärtig arbeitet sie mit 1000 mechanischen Webstühlen und beschäftigt in der Weberei, Färberei, Appretur, Stickerei und Franserei circa 1400 Arbeiter.
Die Fabriken in Xeustadtl und Jungbunzlau vergrösserten sich von Jahr zu Jahr. Im Jahre 1868 war mit 50 mechanischen Webstühlen der Anfang g - emaclit worden, und heute sind bereits 1850 Stühle der verschiedensten Breiten und Systeme im Betrieb. Die gesteigerte Production der Weberei erforderte selbstverständlich auch die entsprechenden Erweiterungen in der Färberei und Appretur. Ueberdies erheischten die Fortschritte auf technischem Gebiete fortwährende Neuanschaffungen und Veränderungen, denn die Firma erblickte nun einen besonderen Ehrgeiz darin, ihre Production mit den neuesten technischen Hilfsmitteln ausgestattet zu sehen.
Die Kammgarnspinnerei in Jungbunzlau hält 36.000 Selfactorspindeln, 8000 Zwirnspindeln und die übrigen Vorbereitungsmaschinen in Betrieb. Die Betriebskraft der Fabriken in Xeustadtl und Jungbunzlau liefern 20 Dampfkessel mit circa 2800 Quadratmeter Heizfläche und 15 Dampfmaschinen mit 2165 Pferdekräften. Im Ganzen sind 3200 Arbeiter beschäftigt. Den Anforderungen der Hygiene und Sicherheit ist vollauf Genüge geleistet; ein Rundgang durch die hellen und luftigen Räume des ausgedehnten Etablissements belehrt uns auf Schritt und Iritt, wie sehr die Firma die Lösung des Problems verstanden hat, die mit gewissen Zweigen der 1 extil-Industrie leider untrennbar verbundenen sanitären Uebelstände auf das Mindestmaass herabzudrücken. Alle h abriksräume sind durch elektrisches Licht beleuchtet.
Ein ganz besonderes Augenmerk hat die Firma der Arbeiterfürsorge gewidmet. Arbeiterhäuser in Xeustadtl und Jungbunzlau gewähren den Arbeitern billige und gesunde Wohnung. Auch die zahlreiche Beamtenschaft geniesst kostenfrei ihre Wohnungen in den freundlichen, von Gärten umgebenen Beamtenwohnhäusern. In allen Fabriken befinden
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Die Gross-Industrie. IV.
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