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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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günstigen Absatz fand, sondern derselben auch ein umfangreicher Export nach den grossen überseeischen Märkten im Osten und Westen eröffnet wurde, welcher noch heute in vollem Umfange anhält.

Bei der fortschreitenden Yergrösserung des Fabrik-Etablissements und der Erweiterung seiner geschäftlichen

Verbindungen erfreute sich Franz Liebieg der vorzüglichen und kräftigen Unterstützung seinerbeiden älteren Söhne Franz (geboren 1827) und Ferdinand (geboren 1837). Nachdem er den ersteren, Franz, vorher besonders in kaufmännischer und geschäftlicher, den zweiten, Ferdinand, in wissenschaftlicher und technischer Beziehung eine vorzügliche Ausbildung hatte zu Theil werden lassen, traten dieselben im Jahre 1858 als stille, und im Jahre 1872 als öffentliche Gesellschafter mit in die Firma ein, während der jüngste Sohn, Ludwig (geboren 1846), nachdem er sich ebenfalls durch wissenschaftliche und praktische Studien in der Schweiz und England tüchtig aus­gebildet hatte, vom Jahre 1867 ab seine Thätigkeit im väter­lichen Geschäfte speciell der Fabrication widmete.

Im Jahre 1850 etablirte die Firma in Bunzendorf bei Friedland in Böhmen eine Wollspinnerei, in welcher mit 4000 Spindeln Streich- und Kammgarne ausschliesslich für den Bedarf der Firma erzeugt wurden, und richtete ferner im Jahre 1863 in dem Etablissement in Dörfel bei Reichen­berg eine umfangreiche Ivunstwollfabrik ein, deren Pro- ducte in Oesterreich, Deutschland, England, Russland und allen übrigen Ländern desContinentes, in welchen Woll-Industrie betrieben wird, regelmässigen Absatz fanden.

Bereits im Jahre 1862 wurde Franz Liebieg sen. durch Verleihung des österreichischen Franz Joseph-Ordens, sowie im Jahre 1868 durch die grosse goldene Medaille des russischen St. Annen-Ordens besonders geehrt und im Jahre 1872 mit seiner Familie in den erblichen österreichischen Ritterstanderhoben. Franz Ritter von Liebieg jun. wurde im Jahre 1867 durch die Verleihung des österreichischen Ordens der eisernen Krone III. Classe, sowie im Jahre 1883 durch die Erhebung in den österreichischen Freiherrn­stand ausgezeichnet. Ausser diesen vorerwähnten Auszeichnungen wurden Franz Ritter von Liebieg jun. von aus­wärtigen Regierungen für seine besonderen Verdienste auf dem Gebiete der Wollwaaren-Industrie noch weitere ehren­volle Anerkennungen durch die Verleihung des Ritterkreuzes der französischen Ehrenlegion, des königlich niederländischen Löwenordens, des portugiesischen Erlöserordens, des tunesischen Nichami-Iftihar-Ordens u. a. m.

zu Theil.

Ferdinand Ritter von Liebieg starb leider schon im Jahre 1873. Dagegen war Franz Ritter von Liebieg sen. so glücklich, im Jahre 1876 sein sojähriges Geschäfts- und Ehejubiläum in vollster Gesundheit festlich begehen zu können.

Als dann im Jahre 1878 Franz Ritter von Liebieg sen. und im Jahre 1886 auch Franz Freiherr von Liebieg jun. durch den Tod ihrer erfolgreichen Thätigkeit entrissen wurden, gieng das umfangreiche Etablissement in den alleinigen Besitz des jüngsten Sohnes des Begründers,

Ludwig Ritter von Liebieg, über, welcher dasselbe mit einem testamentarisch eingesetzten Verwaltungsrath mit Umsicht und Erfolg fort­führt und leitet. Im Jahre 1887 wurde neben dem alten Etablissement in Dörfel, dessen Ansicht das zuliegende Kunstblatt zeigt, eine zweite mechanische Weberei zur Erzeugung von Kammgarn-Confections- stoffen eingerichtet. In den Etablissements in Dörfel und Bunzendorf sind derzeit, neben einer aus­giebigen Wasserkraft mit Turbine von 80 Pferde­kräften, 5 grosse und 10 kleine Dampfmaschinen und Motoren mit 12 grossen Dampfkesseln von circa 600 Pferdekräften, sämmtlich in Oesterreich erzeugt, zum Betriebe der mechanischen Weberei, sowie die besten und neuesten Flilfsmaschinen für Weberei, Appretur, Färberei und Druckerei im Gange. Sämmtliche Fabriks-Etablissements der Firma sind mit elektrischer Beleuchtung versehen.

Die Verkaufscentrale der Firma Franz Liebieg in Wien im eigenen Hause, I., Salzthorgasse Nr. 5, reprä- sentirt die vollständige Niederlage der mannigfachen Erzeugnisse der P'abrik, deren Verkauf und Versandt nach Oesterreich-Ungarn und den Nachbarstaaten von hier aus durch eine grössere Anzahl von Reisenden und ständigen

Maschinenhaus in Dörfel.

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