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FRANZ LIEBIEG
K. K. PRIV. WOLLENWAAREN-FABRIK
REICHENBERG.
n der Geschichte der österreichischen Industrie steht der Name Liebieg unter den ersten und glänzendsten verzeichnet. Die Gründer der beiden industriellen Firmen dieses Namens haben durch ihre Schöpfungen gezeigt, wie durch Thatkraft, Ausdauer und richtiges Erfassen der Situation aus kleinen Anfängen grosse Werke zu Stande kommen, und haben zugleich mächtig eingegriffen in die industrielle Entwickelung des Kaiserstaates. Im Jahre 1826 gründeten die beiden Brüder Franz und Johann Liebieg unter der Firma »Gebrüder Liebieg« in Reichenberg mit sehr bescheidenen Mitteln ein kleines Handels- und Fabrikseeschäft in wollenen und halbwollenen Waaren.
Als Söhne eines ehrbaren und geachteten, aber wenig bemittelten Tuchmachers in dem Städtchen Braunau in Böhmen geboren, verloren sie schon sehr früh ihren Vater. Der ältere Sohn, Franz (geboren 1799), hatte die Kaufmannschaft, der jüngere, Johann Liebieg (geboren 1802), die Tuchmacherei erlernt. Sie übten diese Beschäftigungen ununterbrochen bis zur Gründung ihres gemeinsamen Unternehmens aus.
Mit sehr geringen Mitteln, welche die Ersparnisse der beiden Brüder aus ihrer früheren Thätigkeit waren, beginnend, gelang es ihnen durch unermüdlichen Fleiss, grosse Umsicht und Geschäftskenntnis ihr Unternehmen stetig zu grösserer Entwickelung zu bringen. Leider nöthigte eine anhaltende Kränklichkeit Franz Liebieg’s die beiden Brüder, dieses gemeinsame Geschäft im Jahre 1831 aufzulösen, in Folge dessen Johann Liebieg die bereits bestehende Fabrik in Reichenberg allein übernahm, während Franz Liebieg das ebenfalls in Reichenberg etablirte Handels- und Ausschnittwaarengeschäft »en gros et en détail« unter seinem Namen fortführte, welches zunächst von seiner Gattin Theresia, geborenen Czörnig, gebürtig aus Tschernhausen, mit ausserordentlicher Umsicht geleitet wurde, während Franz Liebieg selbst im warmen Süden weilte, um dort von seiner Krankheit zu genesen.
Als er im Jahre 1833 wieder gesund nach Reichenberg zurückkehrte, trieb ihn sein reger Unternehmungsgeist, neben dem bestehenden Handelsgeschäfte die schon früher in Gemeinschaft mit seinem Bruder betriebene Fabrication wollener Manufacturwaaren in kleinem Umfange allein wieder aufzunehmen. Zunächst wurde in Reichenberg in kleinen gemietheten Localitäten die Erzeugung und Fertigstellung der gangbarsten Fabrikate begonnen und erfolgreich betrieben, bis Franz Liebieg im Jahre 1843 ein Mühlengrundstück in Dörfel, unweit Reichenberg, erwarb, welches durch die vorhandene Wasserkraft und das reine Wasser sich ganz besonders für die Herstellung der eingeführten Waaren eignete. Hier entwickelte sich der Umfang und die Bedeutung des Etablissements ununterbrochen. Franz Liebieg verstand es, die Erzeugung derjenigen Artikel mit besonderem Fleisse ins Auge zu fassen, welche früher ausschliesslich vom Auslande nach Oesterreich eingeführt wurden und durch Fachstudium und Heranziehung gediegener Arbeitskräfte, als Dessinateure, Coloristen, Appreteure, Webmeister u. s. w., welche oft mit grossen Opfern verbunden war, seine Fabrikate zu einer so vorzüglichen Ausführung zu bringen, dass dieselben bald den besten Producten des Auslandes gleichstanden und mit denselben auf dem Weltmärkte erfolgreich concurriren konnten. Während vor dieser Zeit die Fabrication solch feiner wollener Manufacturwaaren, wie gefärbter und bedruckter Merinos, Thibets, Circas, sowie gemusterter und bedruckter Wolltücher und Decken in Oesterreich fast gar nicht oder nur in ganz unbedeutendem und ungenügendem Umfange betrieben wurde, ist es in erster Linie das Verdienst Franz Liebieg’s, diese Fabrication in Oesterreich im Grossen eingeführt und heimisch gemacht zu haben, so dass sich dieselbe nicht nur in allen Theilen des Inlandes eines guten Rufes erfreute und
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