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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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Vertretern, sowie durch ein entsprechendes Beamtenpersonal bewirkt wird, während der Exportversandt nach den Seeplätzen und überseeischen Ländern direct von der Fabrik aus erfolgt.

Gegenwärtig beschäftigt die Firma in ihren Etablissements 1500 Arbeiter und Arbeiterinnen und besitzt für dieselben eigene Kranken- und Unterstützungs- cassen, deren Gesammtkosten ausschliesslich von der Firma Franz Liebieg getragen werden. Ferner unterhält dieselbe in ihren Fabriken in Dörfel und Bunzendorf eigene Feuerwehren, welche in Dörfel 80 Mann und in Bunzendorf 40 Mann zählen und auf das Vorzüg­lichste und Vollständigste ausgestattet sind.

Im Jahre 1890 wurden die Fabriks­anlagen in Dörfel durch ein Schienengeleise mit der Reichenberg - Gablonz - Tannwalder Eisenbahn und der Süd-Norddeutschen Ver­bindungsbahn verbunden, so dass seither der gesammte Bahnverkehr der Fabrik von und nach allen Richtungen mittelst Locomotiv- betrieb unmittelbar vom Etablissement aus durch das daselbst eingerichtete Bahnbureau bewirkt wird.

Seit dem Jahre 1845 bis in die jüngste Zeit war die Firma Franz Liebieg auf fast allen grossen Industrie-Ausstellungen in Wien,

Leipzig, München, Berlin, Paris, London,

Amsterdam, Sidney u. s. w. mit ihren Erzeug­nissen vertreten und erfreute sich dabei viel­fach besonderer und hoher Auszeichnungen.

In demselben Maasse, in dem sich die geschäftliche Bedeutung der Firma Franz Liebieg entwickelte, haben die Besitzer auch von jeher ihre humanen, gemeinnützigen und loyalen Bestrebungen, sowohl ihren Beamten und Arbeitern gegenüber, als auch im allgemein örtlichen und im öffentlichen Interesse überhaupt in rühmlicher und hervorragender Weise bethätigt und so dem wahren Patriotismus jederzeit Ausdruck verliehen.

Schon Jahrzehnte früher, als die Frage der Arbeiterunterstützung auf gesetzliche Weise geregelt wurde, hat die Firma Franz Liebieg ihren Arbeitern freiwillig und aus eigenen Mitteln bei Krankheiten, Unfällen und im Alter reichliche Unterstützung in Lohn und ärztlicher Plilfe gewährt. Die bereits erwähnten, auf Kosten der Firma vorzüglich ausgerüsteten und ausgebildeten Feuerwehren in Dörfel und Bunzendorf bilden nicht nur für die betreffenden Etablissements selbst, sondern auch für die genannten Gemeinden und deren Nachbarschaft eine sichere Hilfe in der Stunde der Gefahr.

In der ausgiebigsten Weise hat in diesen Gemeinden die Firma die Erbauung von Schul- und Armenhäusern,

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Schafwollspinnerei in Bunzendorf.

Strassen- und Brückenbauten, die Armenpflege und gefördert.

Stadt Reichenberg hat Franz

viele andere gemeinnützige Bedürfnisse jederzeit kräftigst

Ritter von Liebieg senior wiederholt Freistellen im Ver­sorgungshaus und im Stefans-Hospital für arme Bürger gestiftet, sowie auch Franz Freiherr von Liebieg in seinem Testament nicht nur mehrfache grosse Legate zur Unterstützung von Studirenden und Künst­lern, sowie für verschiedene Wohlthätig- keits-Institute ausgesetzt, sondern insbeson­dere auch durch eine grossartige Schenkung die Erbauung- eines neuen prachtvollen Rathhauses ermöglicht hat, während der gegenwärtige Chef der Firma, Ludwig Ritter von Liebieg, überall, wo es gilt, humane, wohlthätige und gemeinnützige Zwecke zu fördern, an der Spitze steht oder sich in munificenter Weise betheiligt.

Die erfreuliche Entwickelung der

Firma fällt vornehmlich in die 50jährige glorreiche Regierungszeit unseres allergnädigsten Kaisers Franz Joseph I., Allerhöchstweicher die Fabrik im Jahre 1891 durch Seinen Besuch ausgezeichnet hat. Möge auch fernerhin das Etablissement, sowie die gesammte österreichische Industrie unter der Fürsorge unseres erhabenen Herrschers wachsen, blühen und gedeihen !

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Mechanische Kammgarn-Weberei in Dürfel.

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