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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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JOHANN LIEBIEG & CO.

K. K. PRI\'. WOLL- UND BAUMWOLLWAAREN-FABRIKEN

REICHENBERG.

m sogenannten »Josefinenthale« bei Reichenberg war im Jahre 1806 inmitten versumpfter AViesen vom Grafen Christian Clam-Gallas ein kleines Haus aus Stein erbaut worden, welches die Bestimmung erhalten hatte, eine mit den primitivsten Maschinen ausgerüstete Baumwollspinnerei zu beherbergen. Die darin erzielten Erfolge schienen jedoch keinen allzu befriedigenden Eindruck bei dem Grafen erweckt zu haben, denn schon nach zwei Jahren wurde das Etablissement dem Prager Banquier Ballabene käuflich überlassen.

Volle zwanzig Jahre war es, ohne erhebliche Erweiterungen erfahren zu haben, dem erwähnten Zwecke dienstbar, bis es 1828 in den Besitz Johann Lieb iegs, eines von Braunau herübergewanderten Tuchwebers, übergieng, welcher schon vor dieser Zeit, zwischen den Jahren 1826 und 1828, in Gemeinschaft mit seinem Bruder Franz ein Local im Innern der Stadt gemiethet hatte, um sich daselbst mit der AVeberei von ganzwollenen Thibets und Satin­cloths zu beschäftigen.

Binnen weniger Jahre hat sich dieses kleine Haus, das mit seinem beschränkten Hofraume, wo ein ein­faches Trommelwerk ein Wasserrad von 4 Pferdekräften bei unzureichendem AVasserstande zu unterstützen bestimmt war, nebst einem bescheidenen AA r ohngebäude den ganzen Besitzstand repräsentirte, in eine kleine Industriestadt umge­wandelt. Die Einführung eines ganz neuen Industriezweiges durch Johann Liebieg hatte den Grund zu dieser Um­wandlung gelegt. Es war dies die Eabrication von sogenannten Merinos, Lastings und Thibets, deren Erzeugung die Aufstellung einer nicht unbedeutenden Anzahl von Handwebstühlen erforderte, welche, sofort nach ihrem ersten Auf­treten im sächsischen AMgtlande, nach verbesserten Modellen beigeschafft worden waren.

Im Zusammenhänge damit stand die Errichtung von Factoreien in zahlreichen Ortschaften des Isergebirges, welche an 6000 Handweber beschäftigten und Massen dieser AA r ebewaaren behufs vollständiger Ausfertigung an die Reichenberger Fabrik lieferten, während die zahlreichen Leiter solcher Factoreien dadurch den Impuls empfiengen, in der Folge selbst Etablissements in der Manufacturbranche zu eröffnen, was schon an sich Zeugnis abzulegen im Stande war für die Keimfähigkeit des von Johann Liebieg nach Reichenberg verpflanzten Industriezweiges.

Eine allmähliche AMrgrösserung der A\ T erkstätten und die A r ornahme von Um- und Zubauten der verschiedensten Art waren zur Nothwendigkeit geworden.

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