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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
Entstehung
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des Wassergrabens begonnen werden konnte. 500 Arbeiter waren durch volle drei Jahre mit der Ausführung dieses Riesenwerkes beschäftigt; galt es doch, 40.000 Cubikmeter Erd- und Steinmaterial auszuheben und weiter zu be­fördern. Endlich 1865 wurde der Betrieb der Spinnerei, deren Anlage im englischen Style und bis in die kleinsten

Details nach dem neuesten Systeme durchgeführt wurde, mit 25.000 Spindeln ^ ausschliesslich mit Wasserkraft betrieben eröffnet.

In den darauffolgenden Jahren wurde eine Aushilfs-Dampfmaschine aufgestellt und die Spindelanzahl verdoppelt.

In die gleiche Zeitperiode fällt der Bau einer Färberei und Appretur in Nussdorf und einer nach französischem System eingerichteten Kamm­garnspinnerei in Milden au, die später in den Besitz der Firma Anton Richter übergieng, ferner die Gründung einer Kunstmühle in Haratitz, der Glasfabrication in Schwarzwald und der Dampf brettsäge und Bier­brauerei auf den erworbenen Domänen Smifitz-Hoi i nowes, welchem Ankäufe später auch jener der Waldherrschaft Daschitz folgte.

Johann Liebieg hatte vom Beginne seiner Laufbahn an der Ansicht gehuldigt, es vermöge dem Gedeihen einer jeden, wie immer gearteten umfangreichen Gewerbsthätigkeit nur ein tüchtiger Arbeiterstand fördersam sein. Sich einen solchen heranzubilden, erachtete er vor Allem für nothwendig, und um auf seine Arbeiter in Bezug auf Tüchtigkeit und Anhänglichkeit einen Einfluss zu üben, wurde schon in einer 1842 publi- cirten Fabriksordnung jedem mindestens ein Jahr lang in der Fabrik be­schäftigten Arbeiter in Krankheits- und Unglücksfällen unentgeltliche ärztliche Behandlung sammt Medicamenten, der Bezug des Lohnes bis zur Wiederaufnahme der Arbeit, und für den Todesfall seinen Angehörigen ein Beitrag zu den Beerdigungskosten zugesichert. Zu Zeiten sichtbarer Theuerung der Lebensmittel wurde nichts verabsäumt, um den Fabriks­arbeitern nach Möglichkeit Erleichterungen in Betreff des Bezuges ihrer Nahrungserfordernisse zu gewähren. Anschaffung von Victualien in grossen Quantitäten und Abgabe derselben zu den Einkaufspreisen, Errichtung einer Fabriksküche und Mahlmühle in Haratitz sammt Brotbäckerei dienten der Ausführung der wohlmeinenden Absicht. Das gesteigerte Bedürfnis, auch

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Baumwollspinnerei in Haratitz.

für die Unterkunft der Arbeiter zu sorgen, führte zum Baue eigentlicher Arbeiterhäuser in Reichenbarg, Eisen- brod, Swarow und Haratitz. Um den Kindern der Arbeiter Gelegenheit zu geben, die Schule zu besuchen, er­richtete Johann Liebieg Fabriksschulen und Kindergärten in Reichenberg, Eisenbrod und Swarow.