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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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Die Verdienste Johann Liebiegs um die österreichische Industrie, welche schon lange in den geschäftlichen Kreisen Anerkennung erlangt hatten, fanden zuletzt auch in Hof- und Regierungskreisen Beachtung. Im Jahre 1863 wurde Johann Liebieg durch Verleihung des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet; fünf Jahre später wurde er von seinen Mit­bürgern in den böhmischen Landtag und den Reichsrath gesandt und von Napoleon III. zum Officier der Ehrenlegion ernannt. Unser erlauchter Kaiser Franz Joseph, der gelegentlich seiner Anwesenheit in Reichenberg den Indu­striellen, der zu den hervorragendsten des Reiches zählte, persönlich kennen gelernt hatte, wendete demselben Seine volle kaiserliche Huld zu. Aus Anlass der von dem Monarchen mit regstem Interesse vorgenommenen Besichtigung des Reichenberger Etablissements mit dem Orden der eisernen Krone III. Classe geschmückt und in den Ritterstand erhoben, erhielt er ein Jahr später die II. Classe dieses Ordens und die mit derselben verbundene erbliche Baronie.

Johann Liebieg verschied im Jahre 1870 auf seiner Herrschaft Smifitz. Seine Unternehmungen wurden von seinen drei Söhnen Johann, Heinrich und Theodor und seinem Schwiegersöhne Mallmann weitergeführt. 1888 traten von den Gesellschaftern Johann Freiherr von Liebieg und die Erben nach Jos. Ritter von Mallmann aus, so dass die Firma in den alleinigen Besitz der beiden Brüder Heinrich und Theodor Freiherren von Liebieg übergieng.

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Mühle in Haratitz.

Letzterer verschied im Jahre 1891 auf seinem Gute Gondorf an der Mosel. In ihm schied ein Mann aus dem Leben, der bis zu seinem letzten Athemzuge als sein Lebensziel nur das Wohl seiner Untergebenen und die Kräftigung und Ausgestaltung des väterlichen Unternehmens im Auge hatte. Derzeit sind Heinrich Freiherr von Liebieg, welchem im Jahre 1897 die Auszeichnung zu Theil wurde, in das Herrenhaus des österreichischen Reichs- rathes berufen zu werden, und seine beiden Neffen Theodor und Dr. Gisbert von Liebieg die Inhaber der Firma.

Von den zahlreichen Unternehmungen, die JohannLiebieg gegründet, gehören der Firma ausser dem Reichenberger Hauptetablissement noch an die Eisenbroder und Haratitzer Spinnerei, die Swarower Weberei und die Haratitzer Mühle.

Alle diese Etablissements haben in den letzten Jahren bedeutende Erweiterungen und Umbauten erfahren.

Die Eisenbroder Spinnerei zählt zur Zeit circa 90.000, die Haratitzer über 30.000 Spindeln und die Swarower Weberei ist auf 1400 Stühle angewachsen. Die Reichenberger Worstedspinnerei wurde beträchtlich erweitert, die Weberei daselbst hat heute circa Soo Stühle und auch die Appretur und Färberei haben noch sehr an Ausdehnung zugenommen.

Die Zahl der beschäftigten Arbeiter beträgt

in Reichenberg.circa 1900

» Eisenbrod. » 950

» Swarow. » 1010

» Haratitz. » 260

demnach in diesen vier Etablissements zusammen . . circa 4120

Als Motorenkräfte dienen

in Reichenberg 2 Dampfmaschinen und 4 Elektromotoren von circa 1750 indicirten Pferdekräften,

» Eisenbrod 4 Turbinen von 420 und eine Dampfmaschine von circa 1600 indicirten Pferdekräften,

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