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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
Entstehung
Seite
175
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A. RAAZ & SOHN

WOLLWAAREN-FABRIK, MECH. WEBEREI

NEUSTxADTL BEI FRIEDLAND.

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ründer dieser seit dem Jahre 1875 protokollirten Firma ist der Senior der Familie, Herr Anton Raaz (gestorben im Jahre 1888). In dürftigen Verhältnissen auf gewachsen, auf seine eigene Kraft und Energie, die ihn über eine vernachlässigte Schulbildung hinweghelfen musste, angewiesen, sehen wir denselben schon Anfanges der Aherzigerjahre mit den grossen Textilfirmen des Kammerbezirkes als Lieferant von im Lohn gewebter Waare (als sogenannter Factor) in Verbindung. Als jedoch im Jahre 1854 seine Gattin, die nach den damaligen Verhältnissen im Geschäfte mitthätig war, in eine schwere Krankheit fiel und bald darauf zwei Söhne rasch nacheinander in jugendlichem Alter starben, legte der so schwer Geprüfte sein Gewerbe nieder, umsomehr zu diesem Entschlüsse veranlasst, als damals in Folge ungünstiger Marktverhältnisse das Geschäft stark zurückgieng. Zwölf Jahre später, im Jahre 1866, als inzwischen der älteste Sohn, der jetzige Firmaträger, soweit herangewachsen war, um dem A'ater eine kräftige Stütze sein zu können, nahm Herr Anton Raaz senior sein Gewerbe wieder auf und legte damit eigentlich erst den Grund zum heutigen Geschäfte.

Die Firma erzeugte damals unter »A. Raaz« ausnahmslos glatte Wollwaare, und zwar meist Rohcachemire auf Handstühlen, die an Wiener und theilweise auch an die nordböhmischen Druckfabriken abgesetzt wurden. Im Jahre 1875 trat insoferne eine gänzliche Umwälzung in den Verhältnissen der Firma ein, als Anton Raaz jun. von seinem späteren Schwiegervater, Josef Knöbl in Neustadtl, dessen Flachsgarnspinnerei käuflich erwarb, sich mit seinem Vater associirte und in dem neuen Erwerbe eine mechanische Weberei einrichtete, die inzwischen wesentlich zu nennende Erweiterungen erfahren hat. Den Anforderungen der Zeit folgend, richtete Anton Raaz seine Erzeugung auf folgende Artikel: Woll-, Halbwoll- und Halb-Seidenwaaren; Herren- und Damen-Kleiderstoffe, Deckensatins, Tücher, Zanella etc. in stück- und garnfärbiger Ausführung ein. Die Firma errichtete folgende ATrkaufsstellen:

Wien, I., Renngasse 9, unter eigener P'irma,

Brünn, Dorethof, unter eigener Firma,

Budapest, Göttergasse 6, bei Kaldor & Co.

Die Fabrik, deren Inhaber nach dem Ableben des Gründers (1888) sein Sohn Anton Raaz allein ist, be­schäftigt circa 500 mechanische Webstühle aller Breiten. Die Firma ist continuirlich bemüht, den sich stets ändernden Geschäftsverhältnissen, sowie auch den sich geltend machenden Neuerungen in Betrieb und Mode zu folgen, wobei der ältere Sohn (Anton) bereits in wirksamer Weise im Geschäfte thätig ist.

Die Fabrik besitzt ihre eigene, gut geleitete Betriebskrankencasse, die bereits, über einen ansehnlichen Reserve­fond verfügt; die Kosten der staatlichen Arbeiter-Unfallversicherung werden von der Firma allein bestritten. Weitere, der Arbeiterschaft dienliche Institutionen sind bereits ins Auge gefasst und sehen bei günstigerer Geschäftslage ihrer Verwirklichung- entgegen.

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