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F. SCHMITT
K. K. PRIV. WO LLWA A RE X - FA B RI K E N
BÖHM.-AICHA UND ISERTHAL.
er auf der Höhe des von Westen nach Osten streichenden, die Wasserscheide zwischen Oder- und Elbegebiet bildenden Jeschkengebirges Umschau hält, wird einen auffallenden Contrast zwischen der Nord- und Südseite wahrnehmen. Dort das häuserbesäete, überaus dicht bevölkerte Neissethal mit seinen Industriecentren Reichenberg, Maffersdorf, Gablonz u. s. w., mit seinem äusserst lebhaften, durch mehrere Eisenbahnlinien geförderten Verkehre, hier, auf der Mittagsseite, eine ziemlich einförmige, nur spärlich mit kleinen Ortschaften besetzte Gegend, die noch immer der Wohlthat einer Bahnverbindung entbehrt. Unter diesen Ortschaften macht sich vor Allem bemerkbar das freundliche Städtchen Böhmisch-A iclia, mit seinem hochragenden, der bedeutenden Industriestätte der Firma F. Schmitt angehörigen Fabriksschlot. Diese Fabriksanlage ist es, mit der wir uns im Folgenden näher beschäftigen wollen.
Die Stadt Böhmisch-Aicha ist ein alter Ort, und noch heute sind Reste der einstigen Ringmauer vorhanden. Die Bewohnerschaft der Stadt, jetzt etwa 3000 Köpfe zählend, w T ar und ist vorwiegend deutsch, während die kleinen Dorfschaften der näheren Umgebung sämmtlich der tschechischen Zunge angehören. Die Stadt bildet also that- sächlich eine deutsche Sprachinsel in tschechischem Gebiete; die Sprachgrenze ist allerdings im Westen, Norden und Osten nicht viel über eine Stunde von ihr entfernt.
In früheren Zeiten, und noch vor 60 Jahren, war die Bewohnerschaft lediglich auf Ackerbau und die gewöhnlichen kleinbürgerlichen Gewerbe angewiesen. Die industrielle Thätigkeit beschränkte sich damals auf eine kleine, von einem gewissen Sluka betriebene Kattundruckerei mit Bleiche — der Name »Bleiche« hat sich bis heutigentags für das betreffende Grundstück erhalten — die aber wenig prosperirte und 1840 zum völligen Stillstände kam. Etwas Tuchmacherei, die früher als Haus-Industrie betrieben wurde, ist nach und nach gänzlich eingegangen. In den ersten Yierzigerjahren war also die industrielle Thätigkeit in Stadt und nächster Umgebung gleich Null.
Das sollte aber nun rasch anders werden. Im Jahre 1843 kam Franz Schmitt nach Böhmisch-Aicha, erwarb die Gebäude der erwähnten ehemaligen Sluka’schen Bleiche und Kattundruckerei, adaptirte sie rasch zu einer Appretur- und Färbereistätte und gründete so die noch heute in hoher Blüthe stehende, in der ganzen Monarchie und auch weit über deren Grenzen hinaus bestbekannte Firma »F. Schmitt«.
Schmitt war aus dem ostböhmischen Städtchen Braunau gebürtig und eigentlich ein Soldatenkind, denn sein Vater war pensionirter Officier und hatte als solcher den Tabak-Grossverschleiss in Braunau verliehen erhalten. Der junge Schmitt besuchte das Gymnasium in seiner Vaterstadt und kam dann nach Prag an die technische Hochschule, um daselbst auf Anrathen seines Verwandten Johann Liebieg die chemisch-technischen Fächer, vorzugsweise die Farbentechnik, zu studiren, sich dann ganz dem Färbereifache zu widmen, und sich so für seinen künftigen Beruf vorzubereiten.
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