Für einen so grossen Betrieb waren naturgemäss auch bedeutende pecuniäre Mittel erforderlich. Da Schmitt diese nicht besass, war er auf den Credit angewiesen, der ihm denn auch im reichsten Maasse eingeräumt wurde. Namentlich waren es einige bedeutende englische Häuser, welche in ihm mit seiner hervorragenden Befähigung, seinem regen Schaffensdrange, seiner Energie und strengen Rechtlichkeit den richtigen Mann erkannten, der es noch zu grossen Erfolgen bringen werde. Es wurde ihm von dieser Seite, auch in den kritischesten Zeiten, ein geradezu unbegrenzter Credit gewährt, ein Vertrauen, welches er glänzend rechtfertigte. Er brauchte diesen grossen Credit vornehmlich zum Bezüge des Rohmaterials, nämlich der Garne für die zu webenden Waaren. Eine eigene Weberei hatte Schmitt lange Jahre nicht, sondern er liess die Rohwaare im Lohn weben, was durch Vermittlung einiger Factoren oder Lieferanten ausschliesslich auf Handstühlen geschah. Diese Handweberei hatte zumeist im Friedländischen ihren Sitz.
Anfangs der Fünfzigerjahre entschloss sich Schmitt zur Errichtung einer eigenen mechanischen Weberei mit 400 Stühlen, welche aber den Bedarf bei Weitem noch nicht deckte und daher die auswärtige Flandweberei
'■ >.'-Vv
-.-M 0.3?;
mm#
V&itr.
ipaef?
Wis
■.Sy**}
•T-Ät'.
Kesselhaus in Iserthai
noch lange nicht entbehrlich machte. Zum Betriebe dieser mechanischen Weberei wurde eine 4opferdekräftige Dampfmaschine von Rieh. Hartmann in Chemnitz bezogen.
Zu jener Zeit reifte bei Schmitt auch der Entschluss, in der Stadt Zittau, im benachbarten Sachsen, eine Fabrik zu errichten. Er verband sich zu diesem Zwecke mit seinem jüngeren Bruder Ludwig und dem Zittauer Kaufmanne Friedrich Esche zu der Firma »Schmitt & Esche*, die später, nach dem Tode Esche’s, in »Brüder Schmitt« umgewandelt wurde. Diese Fabrik, in der Halbwollwaaren — Orleans etc. — für den Consum im deutschen Zollverein erzeugt wurden, prosperirte ebenfalls aufs Beste; sie wurde in späteren Jahren, als die Verhältnisse in Deutschland sich dieser Art von Fabrication ungünstig gestaltet hatten, in eine Baumwollspinnerei umgewandelt.
War also Schmitt schon in den Fünfzigerjahren ein hervorragender Industrieller, so sollte sein Ansehen und seine Bedeutung in den folgenden Decennien durch Errichtung und allmähliche Ausgestaltung der berühmten, wirklich grossartigen Fabrikscolonie »Iserthai« noch weit höher steigen.
Es war 1857, im Eröffnungsjahre der Pardubitz—Reichenberger Eisenbahn, als der rastlos thätige, schaffensfrohe Mann Gelegenheit fand, ein oberhalb des etwa vier Meilen von Böhmisch-Aicha entfernten — seither Eisenbahnstation gewordenen — Städtchens Semil am Iserflusse gelegenes Fabriksgebäude käuflich an sich zu bringen, welches von der Firma Blaschka & Co. in Liebenau errichtet, aber noch nicht in Betrieb gekommen war und wegen Separation der beiden Inhaber dieser Firma zum Verkaufe gelangte. In dieses von ihm durch Neubauten bedeutend vergrösserte Fabriksgebäude verlegte Schmitt einen Theil seiner erweiterungsbedürftigen Böhmisch-