2. Friedensarbeit
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lieh beantragte Negrelli die Vornahme von Studien für eine Linie von Padua über Monselice und Rovigo nach Ponte di Lagoscura und Ferrara und für eine Linie von Verona nach Trient.
Im Ministerium anerkannte man wohl die Richtigkeit der Vorschläge Negrelli’s, aber die politischen Verhältnisse, wie auch die Eigentumsverhältnisse der lombardischen Bahnen gestatteten vorläufig nicht, sie durch- gehends und nachhaltig zu verfolgen. Verona—Venedig erschien am wichtigsten. Der Minister genehmigte den Zug über Villafranca mit der Ausästung bis Mantua und wünschte in der oberen Linie auch Desenzano bis Ri- voltella am Gardasee mit einbezogen. Besonderen Wert legte Bruck auf die Verlängerung der Ausästung von Mantua nach Parma, von wo aus über Reggio, Modena und Bologna der Anschluß an ein toskanisches Bahnnetz mit der Hauptlinie von Florenz nach Pistoja erstrebt werden sollte — und weiters auf einen Schienenweg von Mestre an die italienische Grenze.
Nach beiden Richtungen hin, nach Parma und Modena einerseits und nach Illyrien anderseits, erstreckten sich denn auch in nächster Zeit die eingehenden Erhebungen Negrelli’s.
Schon im Herbste 1849, da die anderen Geschäfte es ausnahmsweise gestatteten, bereiste Negrelli Parma und Modena und pflegte auch Erhebungen für einen Schienenweg über die Apenninen. Der junge Herzog Franz V. nahm ihn freundlich auf; er wird zur Familientafel geladen, wo er die Herzogin Adelgunde, die Tochter König Ludwig I. von Bayern kennen lernte, die er sehr hübsch und lieb und der Erzherzogin Hildegard ähnlich findet; auch der alte Erzherzog Ferdinand von Este, der Großvater des jungen Herzogs, der ehemalige österreichische Feldmarschall, der in Modena lebte,