2. Friedensarbeit
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man in die Andacht und in den Segen; alle Bediensteten sind alt und gebrechlich; die Welt — meint Negrelli — muß selbst sehr böse sein, daß sie sogar diesem frommen Hofe Böses nachsagt. Modena scheint ihm die Heimat der Langeweile; selbst auf den Hofbällen ist es wenig unterhaltend; es wird zum großen Ereignisse, das die ganze Stadt beschäftigt, als die immer klagende und kränkelnde Contessa Peppi auf dem Balle das Unglück hat, sich auf eine in der Saalecke hängengebliebene Nähnadel zu setzen, die ganz in das wenige Fleisch eindringt, eine große Ohnmacht und einen ärztlichen Eingriff hervorruft! Zwischen Parma und Modena spielt emsig der Telegraph und öfters muß der Vertreter Parmas sich selbst nach Parma bemühen, um sein „gouvernement zur Raison zu bringen“.
Am 21. November erschien die erste „Kundmachung der Internationalen Kommission“; sie enthielt die Normen, die der künftigen Bau- und Betriebsgesellschaft zur Richtschnur ihrer Tätigkeit dienen sollten. Eine Art Be- dingnisheft für Bau und Betrieb, in allen Einzelheiten sorgfältig ausgearbeitet und wohldurchdacht, 18 offenbart sie in manchen Einzelheiten schon die Fortschritte, die der Bau der Semmeringbahn gezeitigt hatte, so in den zulässigen Krümmungshalbmessern und Steigungen, in der Anordnung des Oberbaues für die Qebirgsstrecke, in der Verwendung des Eisens für die Brücken.
Die nächste Frühjahrssitzung (1852) beschäftigte sich mit der Prüfung der eingelangten sieben Anbote; die bedeutendsten Bankhalter Italiens waren dabei im Spiele und Negrelli hielt besondere Vorsicht für geboten. Auch jetzt wieder verliefen die Beratungen nicht glatt; im Gegenteile, „es wird gehandelt und verhandelt, daß es eine Schande ist.“ Ende März verließ Negrelli Modena, unzufrieden in allen Beziehungen, da das Geschäft