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II. Der Suezkanal
ber 1855 in Suez geschrieben, bietet köstliche Schilderungen, offenbart anziehende Gedanken und Gefühle. Bezeichnende Stellen lauten:
„Suez ist eine Stadt von 5000 Einwohnern. Als wir einrückten, flaggten die Konsulate und Österreichs Banner nahm sich zu meiner Freude am stattlichsten aus. Weder in Suez noch in der Umgebung erblickst Du einen Baum oder eine Blume; das Wasser wird aus der Ferne und aus Moses Quellen geholt. Das Gasthaus ist ganz herrlich ausgestattet worden und der Vizekönig fährt fort, uns mit königlicher Munifizenz zu bewirten. Wenn Du Gelegenheit hättest, S. E. Baron Bruck zu sehen, könntest Du ihm sagen, daß die Kommission, selbsi der englische Kommissär, über die Herrlichkeit der Rhede von Suez, die wir nun ganz durchforscht haben, ganz erstaunt war! In Europa sind wenige Rheden, die der von Suez gleichkommen! Wir sind immerwährend beschäftigt, die Abwicklung unserer Aufgabe dem Ziele näher zu rücken — und mit einem Blicke glaube ich die Ursache losgekriegt zu haben, durch welche das Rote Meer vom Lac Timsah abgeschnitten wurde! Gestern haben wir die Moses-Quellen besucht. Sie liegen am asiatischen Ufer, östlich von Suez, ungefähr 1000 Klafter vom Meere entfernt. Seit ohngefähr 15 Jahren haben einige christliche Kaufleute von Suez einige Gartenanlagen in dieser Quellengegend errichten lassen. Herr Coste, unser Konsularagent, hat die Anlagen in seinen Schutz genommen. In seinem Hause fand sich das Bild unseres Kaisers, die Kaiserin am Arm, was mich sehr erfreut hat. Auch in diesen Gärten blühen die schönsten Mairosen und andere Blumen, wovon ich Dir einige mitbringen werde. Auch mit herrlichem Rettich wurde uns aufgewartet und ein vom Vizekönig angeordnetes Dejeuner a la Fourchette, wobei viel Cham-