2. Nesrelli’s Vorarbeiten für den Suezkanal in Ägypten 247
Kenntnis genommen; der Vizekönig verlangte nun auch eine Äußerung über die geplanten Verschlüsse der Durchflußöffnungen bei dem Wehre von Saidieh an der Südspitze des Nildeltas („Nilbarrage“) und über die Ausmaße der drei großen Bewässerungskanäle, die aus dem hier gebildeten Staubecken ihr Wasser entnehmen sollten. Ingenieur Mougel, der Erbauer des großartigen Werkes, das sich als eine Brücke mit 72 Bögen von 5 Meter Spannweite über den Arm von Damiette und als Brücke mit 162 Bögen gleicher Weite über den von Rosette sich darstellt, plante den Verschluß auf neuartige Weise: das Tor jeder Öffnung war gewissermaßen als eine Trommel mit zylindrischen Wänden gedacht, die sich um wagrechte Achsen drehen; füllt sich die Trommel mit Wasser, so sinkt sie und schließt sich, füllt sie sich mit Preßluft, so öffnet sie sich und schwimmt; die Preßluft sollte eine Maschine liefern, die der Fluß selbst bewegt und deren Arbeit ein Schwimmer regelt, so daß das Nilwasser niemals eine bestimmte Höhe überschreiten kann. Die Kommission bezeichnete den Vorschlag als geistreich und fachgemäß — wollte aber nicht dazu raten, ihn auszuführen, weil ein so ungewöhnlicher neuer Gedanke doch vorerst in kleinerem Maße erprobt werden müßte; sie hielt auch bei dem langsamen und regelmäßigen Anschwellen des Nils eine selbsttätige Abschlußvorrichtung nicht für erforderlich und empfahl die schon bewährte Bauart der Schützenwehren mit Roll- oder Dammbalken.
Nach kurzem Aufenthalte trat die Kommission für den Suezkanal ihre Reise durch die Wüste an, um nun ihre eigentliche Aufgabe durchzuführen. Das Tagebuch Negrelli’s mit zahlreichen Bleistiftskizzen ergänzt die Berichte, die er in seinen Briefen an Lotti über die Reise entwirft. Schon der erste dieser Briefe, am 19. Dezem-