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die Gegend gelagert, so dass wir in der Vorstadt Jerusalems waren, ohne viel von der Stadt zu sehen. Die Vorstadt, in welcher ausser den Consulaten fast ausschliesslich Juden wohnen, wird durchritten; vor dem Jaffathore ist unser Lager aufgeschlagen. Wir wollten aber heute noch die Stadt betreten, und so liessen wir unser Lager rechts liegen, wandten uns links, der Stadtmauer entlang, dem Damascusthore zu. Mit Zinnen und Thürmchen geschmückt, mit Schiessscharten versehen, ist es ein mächtiger Bau. Im Winkel führt die Strasse durch dasselbe in die Stadt.
So waren wir denn angekommen in der heiligen Stadt, an der das gläubige Christenthum hängt, wo unser Heiland durch seinen Kreuzestod die Menschheit erlöste.
Wir suchten das österreichische Hospiz auf. Pater Kosta, ein Tiroler, ist Rector; ein grosses Gebäude steht gastlich geöffnet den österreichischen Pilgern. Und wenn wir auch hier nicht einkehrten, so wollten wir im Hospiz doch wenigstens Meldung von unserer Ankunft machen, hiedurch uns in Jerusalem als gute Oesterreicher bekennend.
Es war spät, als wir in unserem Lager eintrafen. Wir waren acht Stunden geritten und Reiter sowohl als Thiere waren froh, am Ziele angekommen zu sein. Das Mahl schmeckte vortrefflich und bald nahm uns der Schlaf auf. Das Wetter war schlecht, es stürmte noch immer; ein Regen mit Llagel ging nieder. Die uns bewachenden Soldaten stiessen von Zeit zu Zeit einen schrillen Pfiff aus; die Llunde schlugen an, suchten nach Brocken im Lager und brachen darüber in Streit aus; doch all’ dies störte uns nicht ernsthaft. Wir schliefen prächtig.
7. März. Der Tag musste ausgenützt werden, und so begannen wir denn zeitig das Touristenhandwerk. Mit früher Messe in der erzbischöflichen Kirche weihten wir unseren