IOI
Aufenthalt in Jerusalem ein, dann ging es zu unserem Consul, Herrn von St., den wir um die verschiedenen noth- wendigen Erlaubnissscheine ersuchten. Dem Drange unseres 1 Terzens folgend, eilten wir zur Grabeskirche. Was für Gefühle bemächtigen sich des gläubigen Reisenden beim Betreten dieses Gotteshauses, das all’ die heiligen Stätten birgt. Hier opferte Christus sein Leben für die sündhafte Menschheit, hier ward sein heiliger Leichnam (in der Vorhalle der Kirche wird der Stein gezeigt) gesalbt, hier ward er in das Grab Josefs von Arimathia gesenkt, aus welchem er sich nach drei Tagen erhob. Man vergisst das Betrachten der Kirche, man sieht nur die grosse, das Weltall versinnbildlichende Kuppel, die sich über der Grabcapelle wölbt; man ist erfüllt von tiefem Glauben!
Pater Beck, ein österreichischer Franziskaner, zeigte uns all’ die Stätten, all’ die Reliquien.
K atholiken, Griechen und Armenier benutzen die Kirche gemeinschaftlich und genau nach Stunden eingetheilt wird der Gottesdienst der verschiedenen Confessionen gehalten. Zahllose Pilger knieen vor den HeiligthÜrnern, welche Reihen von silbernen Lampen kennzeichnen. Lange blieben wir an diesem heiligen Orte, dann gingen wir in die grosse Franziskanerkirche, deren stattlicher Bau vornehmlich unserem frommen, jetzt so schwer gebeugten Kaiser zu danken ist. Ein „Gott erhalte“ erfüllte meinen Sinn, ist er doch König von Jerusalem.
Nachmittags besuchte uns der Consul in unserem Lager; wir nehmen orientalischen Brauch an, tractiren unsere Gäste mit Kaffee und Cigaretten. Das ’Wetter hatte sich aufgehellt. Die Sonne glänzte, blendenden Widerschein von den Häusern werfend; tiefblauer Himmel wölbte sich über der Stadt: es ist die nothwendige Beleuchtung für den Haram esch-scherxf,