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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
Seite
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Früchten verschiedener Bäume, Kreuze, Medaillen u. dgl. m. fabricirt und verkauft. Die Bevölkerung Bethlehems ist fast ausschliesslich christlich, vornehmlich katholisch.

Die Männer sind von den Türken nicht zu unterscheiden. Die Frauen dagegen gehen nicht verschleiert; sie tragen eine hohe flache Mütze, an der Geldstücke befestigt sind, und über welche ein weisses Tuch beinahe bis auf den Boden herab­hängt, und reich gestickte Jacken. Sie sind ob ihrer Schön­heit berühmt und wirklich sieht man auffallend hübsche Ge­sichter. Ausserhalb der sehr unreinlichen Stadt nahmen wir auf dem Dache eines Flauses unser Frühstück ein. Vor uns die schönste Aussicht hinab in das gebirgige Land bis zu den Moa­biter Bergen; ein Stück des todten Meeres über die Bukeija hin zu sehen. Bethlehem liegt 2500 Fuss über, das todte Meer 1280 Fuss unter dem mittelländischen Meere. Alle die Berge, alle die Thäler unbewaldet das Land lag wie eine plastische Karte vor uns. Bis Bethlehem führt eine gute Strasse, welche weiter bis Hebron hergestellt werden soll; auf dieser trabten wir nach Jerusalem zurück. Man sagt, der jetzige Pascha von Jerusalem habe einen neuen schönen Wagen, und diesem Umstande allein sei es zuzuschreiben, dass für Strassen etwas geschieht. Alles möglich im türkischen Reiche!

13. und 14. März. Zwei Tage der Ruhe in Jerusalem, doch wie viel gibt es da zu thun. Schreiben und Lesen füllt die Abende aus, während man am Tage so viel als möglich in der Stadt ist. Es werden Rosenkränze, Kreuze und Me­daillen gekauft und zum Weihen gebracht, möchte man doch Jedem zu Hause ein Andenken mitbringen. Auch Photo­graphien alles Gesehenen müssen ausgesucht werden, die den Reisenden nach Jahren noch die Erinnerung an die Orte auf­frischen, die man geschaut. Doch dies füllt nicht den Tag. Die Grabeskirche muss noch besucht werden. Aus enger