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was nicht nackter Fels ist, bebaut. Ueberall Oliven- und Feigenbäume, der ganze Boden in Terrassen gelegt. Das Wadi (Thal) Haramije wird immer enger, eine Quelle sprudelt aus dem Felsen; wir begegnen einer grossen Karavane, der Weg ist so schmal, dass wir auf einem Felde den Vorüberzug abwarten müssen. 140 Kameele und etwa 50—60 Esel tragen Getreide aus dem Hauran jenseits des Jordans nach Jerusalem. Beduinen aus diesem wilden, von Reisenden wenig besuchten Gebiete begleiten den Zug. Einige Pistolen und Dolche blitzen aus den Gürteln, sonst keine AVaffe.
Jetzt ging es wieder bergan, der Blick wird freier; wir erreichen Sinjil, einen kleinen Ort, bei welchem unser Lager, das uns während des Frühstückes weit überholt hatte, auf saftiger Matte bereits aufgeschlagen war. Unter den Kreuzfahrern hiess der Ort Casale St. Giles, nach dem Grafen Raimund von St. Giles. Eine sehr schöne Aussicht von den Zelten, am Horizonte der Berg Garizim (Jebel el-Tor), hinter welchem Nabulus, unser morgiges Ziel, liegt. Wir sind 2600 Fuss hoch. Der Tag war sehr warm und anstrengend für Ross und Reiter, jetzt freut sich Alles der Ruhe. Die Pferde haben wiehernd ihr Wasser erhalten und stehen mit dem Futtermeister in langer Reihe nebeneinander; unser trefflicher Koch ist bei der Arbeit; es brodelt und kocht in mehreren Töpfen, und bald wird unter heiterem Lachen die Mahlzeit eingenommen. Gute Witze wechseln mit schlechten, die Reisegesellschaft ist bester Laune.
16. März. Bei herrlichstem Wetter ritten wir zu Thal und den nächsten Pass hinan. Der Blick auf Sinjil und das Thal, sowie vor uns auf die Ebene von Luban sehr freundlich, nur die äussersten Bergspitzen kahl, sonst ziemlich Alles bebaut und zwischen durch der Kalksteinfelsen. Im AA^esten ein Streifen blaues Meer, im Norden der Garizim und Ebal,
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