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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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zwischen denen Nabulus liegt; in fernem Dufte der schnee­bedeckte Hermon. Wir übersteigen noch einen zweiten Berg­rücken und kommen in das weite Meknathal, zahlreiche Ort­schaften an den Berglehnen; die Wege belebter, man begegnet vielem Landvolke und sieht solches mit dem Anbau beschäf­tigt. Niedriges unansehnliches Vieh ist an den primitiven Pflug gespannt. Man empfängt den Eindruck, dass sich in diesem Lande nichts geändert hat. Die gleiche Tracht, die gleichen Gebräuche, die gleiche Lebensweise dürften hier seit Jahrhunderten herrschen. Man sieht nicht die Spur von irgend einem Einfluss der Cultur. Bevor wir in das vom Meknathale abzweigende Thal von Nabulus einbogen, hielten wir uns beim Jakobsbrunnen auf. Hier erhielt Christus den erfrischenden Trunk von der Samaritanerin. Wir sind im Lande Samaria; der Garizin war und ist heute noch der heilige Berg der Samaritaner. Jetzt ist diese Secte nur mehr in Nabulus zu finden; sie zählt etwa 150 Angehörige, welche unter einem Hohenpriester stehen. Ihre Feste feiern sie nach altmohammedanischem Gebrauche auf der Höhe des Berges.

An einer Kaserne vorbei, erreichten wir Nabulus, an dessen entgegengesetzter Seite unser Lager stand. Es ist eine ansehnliche Stadt mit gepflasterten Strassen. Sie treibt Handel mit Wolle und mit hier erzeugter Seife. Ueberall sprudeln frische Quellen, die das Thal befeuchten und be­fruchten; Feigen-, Pfirsich-, Mandel- und Citronenbäume, sowie üppiges Gemüse neben blühenden Rosen in den Gärten, die sich aus dem Thale bis hoch an den Garizim hinanziehen, während der Ebal nur mit Cactus bewachsen ist. Trotz der Hitze gönnten wir uns keine Ruhe und bestiegen noch den Garizim, von welchem uns eine prachtvolle Aussicht ver­sprochen ward. Mühsam erklommen wir im Steingerölle in mehr als einer Stunde den Gipfel. Trümmerreste einer