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Kreuzfahrerkirche, daneben die Kuppel eines Scheikgrabes. Leider hatte sich der Himmel im Westen umwölkt. Dichte Nebel versteckten das Meer und den Berg Karmel, auch der Hermon war mehr zu errathen als zu sehen. Klar und schön dagegen der weite Blick gegen Osten und Süden: über das fruchtbare Thal, die nächsten Höhenzüge bis hinüber in das ferne Hauran, die Berge Moabs und Judas.
Der Mond, dessen Scheibe annähernd voll war, stand hoch am Himmel, beleuchtete Stadt, Thal und Berge, von denen Schakalgeheule herunterscholl, als wir heimkehrten.
17. März. Die Gegend gilt als unsicher und die Bewohner von Nabulus stehen nicht in bestem Leumund. Wir hatten daher bewaffnete Wachen um unser Lager. Als um 1 Uhr Nachts Polizei die Soldaten, die uns schützen sollten, ablöste, waren diese fest eingeschlafen; die Polizei nahm ihnen unbemerkt die Waffen weg, um dann vermuthlich ebenfalls zu schlafen. Eine nützliche Wache!
Es war Sonntag, wir gingen in das lateinische Kloster, wo der Pfarrer, ein Eingeborener, der trefflich französisch spricht und gestern unser Gast war, früh am Morgen Messe las. Eine kleine bescheidene Capelle, und zu dieser ist die türkische Erlaubniss noch ausstehend. Als der Pfarrer vor zwei Jahren Glocken aufzog, widersetzte sich die moslemische Bevölkerung, doch heute rufen die Glocken ungestört die Andächtigen zur heiligen Handlung.
Der Weg von Nabulus führt anfänglich auf einer Strasse, die bis Jaffa fortgesetzt werden soll, durch das fruchtbare Thal. Ueberall Wasser, reissend in Gräben dahinfliessend, um den vielen Mühlen treibende Kraft zu sein. Dann hinauf auf die Bergeshöhe. Samaria mit dem Dorfe Sebaste erhebt sich als Kegel aus der Ebene, die vor uns liegt. Schöne Wölbungen stammen noch von der Johanniterkirche, die zu
Franz Graf Th., Eine Orientreise. 9