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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
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grosses Schloss, dessen Trümmerreste über den Wasserläufen und unter den üppigsten Schlingpflanzen noch zu sehen sind. Ein unglaublicher Wasserreichthum bricht aus dem Felsen hervor, einer steilen Kalksteinwand am Nordende des Ortes. In mehreren Adern sprudelt es hervor, sammelt sich zu einem mächtigen Strom, um sich dann wieder in verschiedene Arme zu theilen, über und unter altem Mauerwerk neben der Strasse Wasserfälle bildend. Alles ist belebt und erfrischt, gedeiht und blüht und grünt. Ein herrlich gelegener Ort. An der Felswand, in der sich eine natürliche Grotte befindet, sind einige Nischen, dem Gotte Pan zu Ehren, ausgemeisselt. Auf den Felsen der Yeli Schech Chidr (St. Georg) eine kleine Moschee, von der man einen schönen Ueberblick über Ort und Gegend geniesst. Auf den sich an die Ruinen anlehnenden flachen Häusern stellen die Bewohner Hütten von Laub auf, in welchen sie während der heissen Jahreszeit wohnen. Pracht­volle Bäume. Eichen und Oliven hauptsächlich entfalten ihre breiten Aeste, Pappeln streben hinauf. Darüber sind Felder und Wiesen; weiter die Hule-Ebene mit dem Hügel Teil el Kadi und dem Wasserspiegel des Meromsees. Hinter den hohen Bergen des Westens, diese als Silhouetten zeichnend, ver­schwindet die goldene Sonne. Hoch über Banyas auf schrof­fen Felsen die Ruine der alten Festung Kalat es Subebe und endlich gegen Norden der Gebirgsstock des grossen Hermon, dessen Schneeflächen uns die letzten Tage schon erfreuten.

Nun verlassen wir Palästina und betreten Syrien. Unser Ziel ist Damaskus. Der nächste Weg geht östlich vom Hermon durch flache Gegenden, wir wählen den Gebirgsweg, westlich an den Bergen hin.

26. März. Sehr gestörte Nacht. Gegen 1 Uhr erhob sich ein wüthender Sturm. Die Mannschaft musste die Zeltpflöcke fest verrammen. Jeden Augenblick, dachte ich, müssten