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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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unsere Zelte davonfliegen; ich zog mich an, barg alle Gegen­stände in den Koffern und befestigte Wäsche und Kleider an ihnen. Wenn das Zeltdach weicht, fliegt sonst Alles in den NahrBanyas. Doch, Gott Lob, es hielt; gegen 4 Uhr Morgens ward es ruhiger, eine glühende Luft erfüllte unseren Wohn- raum. Wir schliefen wieder ein, doch war es kein erfrischen­der Schlaf in der bleiernen Atmosphäre. Zudem peinigten uns Mosquitos. Ich war froh, als es 6 Uhr war, und wir auf­stehen konnten. Alles war etwas übernächtig; das Aufpacken ging langsamer von Statten als sonst, doch endlich wurden wir flott. Wir lassen die fruchtbare Ebene hinter uns. Kümmer­liches Gra.s bedeckt die Höhe, welche wir übersetzen: Die Aussicht nach rückwärts ist schön; noch einmal erscheint der Tabor in weiter Ferne. Der gezackte schroffe Höhenzug des Hermon mit seinen Schneeflächen, unser Begleiter für die nächsten Tage, liegt ernst da, während vor uns mehrere grell beschienene Berge in schönster Beleuchtung waren. Im nächsten Thale entspringt ein Seitenarm des Nähr Ledan. Wir passiren ein Drusendorf Emärie; die Häuser aus roh behauenen Steinen, welche ohne Kalkschichte auf einander ruhen, sind mit Holz und Erde flach eingedeckt.

Die Gegend ist von Muslimen, Christen und Drusen bewohnt; letztere, ein schöner kräftiger Menschenschlag, sind ein kriegerischer Stamm; sie waren es, die im Jahre 1860 das Blutbad unter den Christen von Damaskus anrichteten.

Beim Nähr Hasbany grosse Rast. Das Thal wieder schön frisch und grün. Eine Brücke führt über den Fluss. Von dem jenseitigen Berge kamen auf steilem Pfade Landleute zu Pferd und zu Fuss an den Fluss herab. Bei einem Khan in der Nähe war Markt für die Dörfer der Umgegend, jetzt zogen sie heim, mit Einkäufen versorgt, oder nachdem sie ihre Producte verkauft hatten. Wir bildeten den Anziehungspunkt