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Eindruck, als wäre das Ganze als Moschee angelegt worden, und doch dienen diese Bauten nur dem grossen Handel, welchen Damaskus seit allen Zeiten trieb. Die unteren Räume sind Waarenlager; in Kisten und Ballen verpackt stehen heimische und europäische Producte, der Kaufherr trägt sie in seine Bücher mit feierlichem Ernste ein und lässt sich durch den Fremden nicht stören. Im oberen Stockwerke, in den Zimmern, die auf den Balcon führen, ist das Detailgeschäft, da ertönen Sirenenklänge der Verkäufer, da thürmen sich Seidenstoffe, Gewebe aller Art, Teppiche u. s. w. auf, sobald der Fremde sich zeigt. Ein Kreis von Neugierigen drängt sich heran. Es wird gefordert, geboten, betheuert, dass der Preis nicht zu hoch sei, immer werden neue Waaren hervorgezogen, bis endlich ein Handel abgeschlossen ist oder man sich, ohne einen- Kauf gemacht zu haben, entfernt.
In den Bazaren herrscht stets das regste Leben. Wagen, Reiter undTragthiere drängen sich zwischen denFussgängern durch; eine Legion verwilderter Hunde lungert umher, man ist gezwungen, ihnen auszuweichen.
Gewöhnlich zu Mehreren gehen die Frauen einher im rothgelb oder blaugelb gestreiften seidenen Ueberwurf, das Gesicht hinter färbigem Schleier, die zierlichen Füsschen in netten Strümpfen und Schuhen, oder in weissem, den Körper umhüllendem Tuch, mit den hohen Stöckelsohlen über den Boden klappernd. Bei den Stoffverkäufern, den Gold- und Silberarbeitern halten sie sich mit Vorliebe auf, feilschen und handeln, neugierig betrachten sie den Fremdling, ohne dass dieser ihre Züge errathen kann. In allen Trachten eilen die Männer geschäftig durch die Strassen oder stehen und gaffen oder sitzen auf niedrigen Stühlen, die Nar- gileh rauchend, vor den Kaffeehäusern. Da sieht man den graubraunen Rock des Tscherkessen mit den Patronen auf