Dokument 
Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen

aller Erzeugnisse erhoben. Stück für Stück wird ausgepackt, vom amtirenden Beamten und der umstehenden Menge ge­prüft und geschätzt. Meistens hilft ein Bakschisch über diesen Zeitverlust weg. Vom Bettler bis zum Sultan nimmt Alles Bakschisch, nur heisst es bei diesem und bei den höheren Staatsbeamten Geschenk. Wer etwas erreichen will, sei es eine Anstellung, die Erlaubniss für ein Geschäft, ein Unter­nehmen, einen Bau oder dergleichen mehr, kurz jeder, der etwas von den Behörden braucht, muss sich die Gunst er­kaufen. Wann wird endlich dieser faule Staat zusammen­brechen, und wann werden geregelte Verhältnisse den Reich­thum des Landes wieder zur Blüthe bringen?!

Das Lloydschiff, welches uns aufnehmen sollte, kam mit solcher Verspätung an, dass es nicht mehr fahrplanmässig in See stechen konnte; wir hatten daher 24 Stunden längeren Aufenthalt in Beirut, den wir müssig am Strande und Hafen zubrachten: das Leben am Meere ist immer von Interesse. Mit dem Constantinopler Schiffe kam Ex-König Milan von Serbien auf seiner Orientreise hier an. Sein Land dem minder­jährigen Sohne und einer Regentschaft überlassend, geht er demVergnügen nach: welch eine Auffassung von Regenten­pflicht!

Der König stieg ans Land, um dem Muschir, dem Armee- commandanten, einen Besuch zu machen; dann traf er im Hotel ein. Berittene escortirten ihn; zwei Schildwachen wurden vor dem Eingang zum Hotel aufgestellt, einige Offi- ciere, ebenfalls im Dienste, sassen plauschend vor der Thür.

Um dem strammen militärischen Dienste der Türken auf den Zahn zu fühlen, bot ich Officieren und Schildwachen Cigaretten an, die sie dankbar annahmen und auf dem Posten rauchten. Als eine Schildwache Llunger verspürte, stellte sie ihr Gewehr neben den Kameraden und ging ins nächsteKaffee-