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bildeten sie Theile Griechenlands, bildeten Cultusstätten der verschiedenen Götter des Olymps. In der Nacht passirten wir das CapKrio, die Inseln Kos undLeros, dann istPathmos zu sehen, wo Apostel Johannes in der Verbannung die Apokalypse schrieb.
20. April. Zeitig auf Deck. Wir hatten Samos zur Rechten, Nikaria zur Linken. Erstere, ein der Türkei tributäres Fürstenthum, hatte einst Polykrates zum Tyrannen. Hier sang und dichtete Anakreon. Perikies eroberte das Eiland für Athen, Lysander später für Sparta.
Heute lagerten dichte Wolken auf den Bergen. Regenschauer zogen über das Meer hin. Ein eisiger Wind hielt die meisten Passagiere in den Cabinen zurück. Gegen Mittag steuerten wir auf Chios los und ankerten, nachdem wir die kahle Insel Paspargo mit dem Leuchtthurme passirt hatten, vor der Stadt Kastro. Händler mit Süssigkeiten überflutheten das Schiff. Verzuckerte Rosenblätter, Blüthen und Citronen, sowie das süsse Harz des Pistazienbaumes, Mastix, den türkische Frauen zur Kräftigung des Zahnfleisches kauen, werden uns angeboten. Im Jahre 1881 zerstörte ein Erdbeben die Stadt. Eingestürzte Mauern und Thürme stehen heute neben neuen Gebäuden mit rothen Dächern. Oliven und Cypressen schmücken die Niederungen, an welche kahle schroffe Gebirge an- schliessen. Chios streitet mit Smyrna und fünf anderen Städten um die Ehre, Homer’s Geburtsstätte gewesen zu sein. Hier versammelte der Dichter der Ilias und Odyssee seine Schüler um sich. In diesen Gewässern kämpften Phönicier, Griechen, Römer, Perser, Johanniter, Genueser undA^enetianer um den Besitz all dieser seinerzeit reichen Inseln und freches Seeräuberthum trieb hier sein Unwesen. Jetzt ist der Reichthum der Inseln grösstentheils zerstört; das türkische Reich krankt in allen seinen Theilen. Das Piratenthum hat aufgehört.