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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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erheben sich; Schätze der Kunst werden aus allen Theilen der Welt in die neue Stadt gebracht; Du siehst im Traume all die prachtvollen Bauten, deren dürftige Ueberreste Du bei Tage geschaut, da erhebt sich das Forum, der kaiserliche Palast mit seinem Säulen- und Statuenschmuck, die eherne Schlangensäule aus dem Tempel von Delphi, die Porphyrsäule (jetztdie verbrannte) mit dem Standbilde des Kaisers als Apollo; die Basilika des Philoxenos mit den 1001 Säulen, der Aquäduct und die Thore und so weiter, römische Senatoren und Volk. Doch das römische Reich zerfällt: Constantinopel wird Hauptstadt des oströmischen Reiches. Da taucht Justi- nian vor Dir auf. Die Sophienkirche erhebt sich in ihrer Pracht. Das Corpus juris, welches Du vielleicht noch schön gebunden in Deinem Bücherschreine stehen hast, als Erinne­rung an Deine Studien, entsteht als neue Quelle des Rechtes. Daneben entwickelt sich sittenloses Leben. Wilde Völker überfluthen die Stadt und das Land Du siehst die Fahnen Gottfrieds von Bouillon und der Kreuzfahrerheere im Winde flattern, Venedigs Schiffe unter des blinden Dogen Enrico Dandolo Führung das byzantinische Reich kämpft ver­gebens gegen den siegreichen Ansturm des Halbmondes, der letzte paläologische Kaiser Constantin XI. Dragases wehrt sich mit dem Muthe eines Löwen; auf der Bresche der Stadt, wo das dichteste Kampfgewühl geherrscht hatte, wird seine Leiche von Wunden bedeckt gefunden. Der glückliche Sieger Mohammed II. zieht im Jahre 1453 ein, tausende und abertausende Einwohner werden niedergemetzelt, die Stadt geplündert und verwüstet, die türkische Fahne weht von den Wällen, der Halbmond leuchtet auf der Agia Sophia.

Ganz Europa zittert vor dem Anstürme der mohammeda­nischen Macht: unser Oesterreich ist das Bollwerk, das vor türkischer Ueberfluthung schützt. Kaiser Leopold, Prinz