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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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Eugen, Herzog von Lothringen, der tapfere Montecuccoli erscheinen Dir im Traume; schlafe ruhig, die Macht des Halb­mondes ist gebrochen, das Reich steht auf thönernen Füssen; wenn nicht schlechte europäische Aerzte den kranken Mann im Siechthume erhielten, würde unser Welttheil wohl bald vom Türken befreit sein, doch über diesen historischen Traum bist Du wohl fest eingeschlafen, lieber Leser.

Nachdem wir einen Besuch auf der österreichischen Botschaft gemacht hatten, welche noch im alten, grösstentheils aus Holz gebauten venetianischen Palaste untergebracht ist, begann die Touristenfahrt. Es ist der Monat Ramasan, der Fastenmonat der Türken, eine schlechte Zeit zur Besichtigung. Es wird kaum möglich sein, die Paläste und den Schatz zu sehen, die Bazare werden weniger belebt, das Treiben auf den Strassen weniger bunt und anziehend sein, denn von Sonnenaufgang bis zum Untergange darf der Türke nicht essen, nicht rauchen, sogar der Kaffee ist ihm versagt. Alles ist schlecht aufgelegt, die Aemter sind grösstentheils ge­schlossen; der Tag wird möglichst verschlafen, die Nacht dagegen, nach dem Besuche der Moscheen, wie man erzählt, in unmässigem Genüsse hingebracht. Der Reformtürke der jetzigen Sorte hat den Wein schätzen gelernt und soll sich nach der Kasteiung des Tages spät am Abend eingehend mit dem Studium der Rebe beschäftigen.

Der Galatathurm wurde von Anastasias Dikoros im Jahre 1348 gebaut und von den Genuesen, als sie Galata besassen, erhöht. Er dient jetzt als Feuerstation. Ueber dem dicken, runden, mit einer Galerie versehenen Thurme erhebt sich eine Laterne. Der Aussicht wegen ist er im Baedeker mit vollstem Rechte mit einem Sterne versehen. Der Blick auf die Stadt mit den von Cypressen beschatteten Friedhöfen, den Moscheen mit den schlanken Minarets, den Palästen und