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der Kreuzbalken ist ausgebrochen, während die Nägel, die ihn hielten, heute noch sichtbar sind. Wann wird der Halbmond, der die Kuppel krönt, wieder durch das göttliche Kreuz ersetzt werden, wann werden es Glocken verkünden, dass der Islam dem christlichen Glauben die heiligen Stätten zurückerstatten musste, welche frommer Sinn alter Zeit errichtet hatte?
Ein prachtvoller Brunnen Achmed III. zieht in der Nähe der Kirche die Aufmerksamkeit auf sich. Ein quadratischer Bau mit feinster Steinarbeit, wie sie nur der Orientale zu schaffen versteht; an den vier abgerundeten Ecken zierliche Bronzegitter; ein weit überragendes, in fünf kleinen Kuppeln auslaufendes Deck: Inschriften, die den Erbauer feiern, und Koransprüche wechseln mit feinen Blattwerk- und geometrischen Ornamenten. Er ist der schönste der zahlreichen Brunnen Constantinopels.
Der Bau eines Brunnens im wasserarmen Oriente, wo das erfrischende Element, das einzig gestattete Getränk, dem dürstenden Volke zugänglich gemacht wird, ist eines der frommen Werke, die der Koran empfiehlt, und so entstanden denn durch die Wohlthätigkeit der Fürsten und Reichen in allen Thei- len der Stadt, freistehend oder an Moscheen, Schulen und Häuser angelehnt, die vielen Brunnen, an welchen die vorgeschriebene Waschung vorgenommen, der Durst gelöscht wird — und wo die wilden Hunde ihre lechzende Zunge befeuchten.
Vom alten Hippodrom ist wenig erhalten; nur der grosse freie Platz besteht noch, auf dem sich ein von Theodosius dem Grossen hiehergebrachter egyptischer Obelisk, ein kurzes Stück der ehernen Säule, welche einst den Tempel Apollos in Delphi zierte, und der sogenannte gemauerte Obelisk, der früher mit Bronceplatten überzogen war, befinden.
Das Janitscharenmuseum, in welches man von dem Platze des Hippodroms gelangt, enthält eine Anzahl Costumepuppen
Franz Graf Th., Eine Orientreise.