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noch im Volksmunde die Henkerstube. Ein grosser, mit Arkaden eingefasster Hof, auf welchen Platanen und Cy- pressen Schatten werfen, muss durchschritten werden, um das innere Thor Bab-i-Seadet (Thor der Glückseligkeit) zu erreichen. Nun erst befindet man sich im eigentlichen inneren Schlossbezirke, der alten Sultansresidenz. Das Schloss selbst besteht nicht mehr; es ward ein Raub der Flammen. Plier eingesperrte Frauen sollen den Brand entfacht haben. Theile des Schlosses sind noch erhalten, und die Gärten, sowie die herrliche Lage an der äussersten Spitze zwischen Bosporus und dem goldenen Horn konnten nicht zerstört werden.
Der Schatzmeister mit einer grossen Zahl von Bediensteten wartete vor dem Gebäude, welches den Schatz enthält. Er nimmt einem Diener die Schlüssel ab und mit feierlicher Würde, als gälte es, ein Heiligthum zu öffnen, wurden die beiden eisenbeschlagenen Thüren aufgeschlossen, das an- geheftete Siegel entfernt. In drei Sälen ist der Schatz aufgespeichert; ungefasste Edelsteine und Perlen in offenen Schalen, Dolche und Schwerter funkelnd von Steinen, ein Thronsessel, welchen Sultan Selim I. im Jahre 1514 in Persien erbeutete, besetzt mit Rubinen, Smaragden und Perlen, ein zweiter Thron, in dessen Kuppel ein mehr als faustgrosser Smaragd hängt. Gold-und Silbergefässe, Gläser und Krystall, kurz ein fabelhafter Schatz liegt hier aufgehäuft. Ohne Ordnung ist Werthloses neben dem Kostbarsten aufgestellt. Der Beschauer muss selbst mit dem Auge das Sehenswertheste aus der funkelnden Masse heraussuchen. Im ersten Stockwerke stehen in langer Reihe an Puppen aufgehängt die Anzüge der Sultane von Mohammed II. dem Eroberer an bis Mahmud II. (1433—i83g). Es sind dies alte reiche Brocat- stoffe, mit Gold und Silber durchwirkt; im Gürtel steckt der Dolch, dessen Griff mit Edelsteinen besetzt oder aus einem