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der edle, stolze Bau in den blauen Fluthen des Meeres, leuchtet hervor aus dem üppigen Grün eines schönen, ihn umgebenden Gartens. Marmorsäulen zieren die Fronten, tragen im Inneren die Decken der Stiege und der Säle. Auch dieser Palast ist verwaist, das Marmorbassin im grossen Saale des Erdgeschosses leer. Ausser dem Touristen erfreut sich Niemand der prachtvollen Aussicht, welche man durch die hohen Spiegelfenster der Zimmer geniesst. Schon beginnt der Verfall sich zu zeigen. Der Garten, in dem einige wilde Thiere, Reste einer Menagerie, aufbewahrt werden, ist ungepflegt; eine grüne Decke überzieht die Wasserbecken der ansteigenden Terrassen. Abd-ul Hamid, der jetzige Grossherr, meidet den Umgang, vernachlässigt die prachtvollen Bauten von Vater und Onkel; umgeben von einer Stadt von Kasernen wird er bewacht und gehütet von seinen Garden.
7. Mai. Den ganzen Tag den Bazaren gewidmet. Von Sadulah zu David Lewy, zu Sadik und wie sie alle heissen, die Türken, Armenier und Juden. Gestern war es blos das vorbereitende Sehen, heute dagegen der ernste Kauf. Aus immer höher sich aufthürmenden Teppichen müssen einzelne ausgesucht, zwischen Stoffen, Waffen, Pfeifen und so fort die Wahl getroffen werden. Es ist ein Stück schwerer Arbeit!
Nachmittag Rundfahrt in die Umgebung der Stadt, auf staubiger Strasse, durch Felder und Gärten; erst der Heimweg am Jildiz-Kiosk vorbei, wundervoll schön. In den Thälern Kioske in dichten Baumgruppen, fortwährender Ausblick auf den Bosporus, die Stadt und das asiatische Ufer. Die kleine Moschee Hamidije ist die Gebetsmoschee des Sultans, wo alle Freitag der Selamlik, der Gang des Grossherrn zum Gebete, unter militärischem Pomp stattfindet. Sämmtliche Fremde strömen dann heraus, um das Schauspiel zu geniessen und den Nachfolger der Khalifen zu sehen.