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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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8. Mai.Rosina, die kleine Dampfbarcasse des Bot­schafters; erwartete uns bei Tophane; Herr von Sch. und Baron Br. standen bereits am Ufer. Die Sonne schien pracht­voll; und so versprach denn die Fahrt auf dem Bosporus viel Vergnügen. Wir stossen ab, die Maschine setzt sich in Bewegung, die österreichische Flagge weht über dem Steuer. Der scharfe Kiel durchschneidet die Fluth, die in starker Strömung aus dem schwarzen Meere dem Marmara zueilt. Wo vorragende Landspitzen die Fahrstrasse verengen, fliesst das Wasser reissend dahin, die Oberfläche kräuselt sich und bildet Wellen und Wirbel; kleine Boote müssen hinauf­gezogen werden, um die .Strömung, welche sechs Meilen in der Stunde beträgt, zu überwinden. Bei starkem Südwinde staut sich das Wasser und steigt bei Bujukdere um beiläufig einen Meter. Die Fahrt ist herrlich. Auf beiden Ufern Ort an Ort. Paläste in grossen schattigen, die Lehnen hinan­steigenden Gärten spiegeln sich im durchsichtigen Wasser, auf dessen Grund Algen einen beweglichen Teppich bilden. Man fährt an Dolmabagdsches langer Front vorbei, dann an dem Palaste von Tschiragan. Von hohen Mauern ist er um­geben, Schildwachen halten jeden Besucher fern. Hier soll Murad V., der Freiheit beraubt, sein trauriges Leben führen. Niemand weiss, ob er noch lebt, Niemand darf mit den Be­wohnern des Plauses in Berührung treten, Niemand die Mauern des Schlosses verlassen. Mit Haus und Hof ist hier der ehemalige Herrscher lebendig begraben; blos der Blick auf das Meer darf Murad erfreuen. Neben dem Schlosse in einem Kiosk ward Abd-ul Aziz ermordet. Blut ist der Grund­ton der Geschichte der Sultane!

Alle Grossen des Reiches haben längs der Ufer ihre Sommerfrischen. Von Aussen wohl unansehnlich, müssen sie mit ihren vergitterten Fenstern ein prächtiger Aufenthalt sein.